November 2006


Wer heute die Begründungen für die Einstellung des Mannesmann-Verfahrens vernommen hat, der könnte leicht die Rollen von Anklage und Verteidigung verwechseln. Bei so viel offenkundiger Einigkeit zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung mögen sich sich Herr Ackermann und Co. vielleicht gar mittlerweile gefragt haben, ob sie das viele Geld für die Verteidiger sich nicht hätten sparen können.

So argumentiert einer der Staatsanwälte, Dirk Negenborn, dass es „theroetisch denkbar“ wäre, dass es bei den Prämien nicht nur um kleine Gefälligkeiten gehandelt habe, sondern „möglicherweise eine Anreizwirkung“ bestanden habe (Da würde ich doch gerne mal wissen, worin diese „Anreizwirkung“ theoretisch begründet liegt). Ziemlich sicher hat das die Verteidigung auch so gesehen; theoretisch denkbar also, dass die von den beiden Parteien festgestellten interpretatorischen Schnittmengen zu der schnellen Beantwortung der Frage „Deal or no deal“ beigetragen hat. Soviel Schnittmenge lässt natürlich bei manchen etwas skeptischeren Beobachtern leichtes Unbehagen aufkommen: Könnten sie doch den Eindruck haben, dass da jemand aus der üblichen staatsanwaltlichen Rolle herausgefallen sei. Wie wohltuend da die balsamierenden und leidgeprüften Worte des Herrn Negenborn: »Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.« Dankeschön dafür, Herr Negenborn.

Auch der Richter, hört man seiner Worte, scheint Bruder im Geiste der Verteidigung zu sein: Die Angeklagten seien in der langen Vergangenheit einer „überdurchschnittlichen Belastung“ (ob das der Verteidigung eingefallen wäre?) ausgesetzt gewesen (ja, Fingerspreizen ist anstrengend). Zudem hat er in sehr absehbarer Zeit gesehen, dass die „offenen rechtlichen Fragen“ (ei, gibt’s die tatsächlich noch?) in absehbarer Zeit nicht zu klären wären. Und da er all dies erkannt hat, hat er darauf erkannt, dass das rechtlich repräsentierte Volk genausowenig an einer Klärung dieser Fragen interessiert ist, wie Staatsanwaltschaft und Verteidigung und hat dann im Namen des Volkes und für das Volk dem Volk erklärt, dass es kein Interesse mehr an der Fortsetzung des Verfahrens hat.
Ich gebe zu, diese Interesselosigkeit war mir bis jetzt überhaupt noch nicht bewusst. Und vielen anderen aus dem Volk wohl auch nicht. Deshalb für so viel repräsentierendes und erkenntniserweiterndes Einfühlungsvermögen auch an den Herrn Richter ein schönes Dankeschön. Aufgrund fehlender repräsentativer Kompetenzen leider nur von mir.

Einen Gruß von
Karlstadt

P.s.: Hier ein Artikel mit der Stellungnahme des Landgerichts Düsseldorf im Wortlaut.

Eine Politik der verdunkelten Zimmer ist verdächtig. Geheime Treffen von Politiker, Wirtschaftsmagnaten, Journalisten, Verlegern, Adeligen und Akademiker werfen Fragen auf.
Die so genannten Bilderberg-Meetings, bei denen sich seit über 50 Jahren gut 120 Funktionsträger aus den wichtigsten gesellschaftlichen Teilbereichen der westlichen Demokratien treffen, um für drei Tage im Verborgenen zu konferieren, sind ein Phänomen, dem zwar im Internet große Beachtung geschenkt wird, das aber von den so genannten Mainstream-Medien oder von den Sozialwissenschaften sträflich vernachlässigt wird. Und das, obwohl sich bei der Auseinandersetzung mit den Bilderberg-Konferenzen einiges über den Zustand der so genannten westlichen Demokratien sagen ließe.

Die Bilderberg-Konferenzen sind ein gutes Beispiel für die Auslagerung von politischer Macht aus den dafür vorgesehene demokratischen Institutionen (z.B. Parlamente) in von der Öffentlichkeit unbemerkt operierenden interessengeleitete Eliten-Zirkel. Bei der Auseinandersetzung mit den Bilderbergern lässt sich feststellen, dass demokratisch gewählte Volksvertreter allzu bereitwillig demokratische Wege verlassen, um sich im Dunstkreis eines politischen Wirkens zu betätigen, das man durchaus als zutiefst anti-demokratisch bezeichnen kann.
Die geheime Ausrichtung der Konferenzen und die Zusammensetzung der Teilnehmer
lassen erkennen, dass wir es in den westlichen Demokratien mit einer zunehmenden negativen elitären Beeinflussung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse zu tun haben. Der Verdacht liegt nahe, dass der eigentliche politische Formierungsprozess in Zirkeln wie z.B. der Bilderberg-Group vollzogen wird.
Da an den Bilderberg-Konferenzen nur Personen teilnehmen, die über ein hohes Maß an ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital verfügen, liegt es auf der Hand, dass ganze Bevölkerungsschichten aus dem ursprünglichen politischen Ideenprozessen komplett ausgeklammert werden. Hinzu kommt, dass die Bündelung der verschiedenen Kapitalarten der Teilnehmer, wie sie bei solchen Treffen vollzogen wird, mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Potenzierung des Handlungsspielraumes der Gesamtgruppe führt.

Doch was geschieht bei den Konferenzen? Entsprechen Meinungen, wie sie immer wieder im Internet geäußert werden, wonach die Bilderberger eine Art geheime Weltregierung sind mit dem Ziel, eine Weltdiktatur zu errichten, der Wahrheit?
Nach Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von zugänglichen Informationen, scheinen bei den Bilderberg-Konferenzen tatsächlich keine direkten Beschlüsse gefasst zu werden noch irgendwelche Anweisungen von einem ‚Oberverschwörer’ an die Teilnehmer/Mitglieder weitergeben zu werden. Bei den Meetings handelt es sich anscheinend tatsächlich ‚nur’ um eine Konferenz von hochrangigen Personen, wie sie auch bei einem G8-Gipfel ablaufen könnte. Es werden Referate gehalten, es wird diskutiert und am Rande werden Gespräche geführt. Dennoch darf diese Erkenntnis nicht zu einer Verharmlosung der Treffen führen, denn die bereits erwähnte Akkumulation von Macht, die innerhalb einer Gruppierung wie Bilderberg zwangsläufig stattfindet, kann je nach Einsatz zu einer (nur schwer erkennbaren) Aushebelung oder Schwächung der jeweiligen nationalen Politik führen.
Bei den Bilderberg-Konferenzen geht es darum, Konsense zu erreichen. Nicht durch Abstimmungen, sonder eben durch Überzeugung. Eines der Probleme hierbei ist, dass die Konsense, die bei den Konferenzen entstehen, von der Ideologie des Neoliberalismus geprägt sind. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Konsense auch die bewussten oder unbewussten Interessenlagen einer bestimmten Schicht widerspiegeln.
Es kann attestiert werden, dass bei den Meetings auf subtile Art ein Meinungs- und Anschauungskonglomerat bezüglich bestimmter weltpolitischer und gesellschaftspolitischer Themen entsteht, das für breite Teile der Bevölkerung der unterschiedlichen Länder destruktiv ist. Das darüber hinaus Verbindlichkeiten unter den Teilnehmern entstehen, ist ebenfalls anzunehmen.
Neben der Bilderberg-Group gibt es noch eine Vielzahl ähnlicher (und auch durchaus konkurrierender) Eliten-Zirkel, wobei der Verdacht eines regelrechten Netzwerks durch die Überlappung einzelner Mitglieder mit anderen Zirkeln erhoben werden kann. Die Existenz entsprechender Seilschaften hinter der Bühne der Weltpolitik mit all ihren negativen Begleiterscheinungen ist mehr als wahrscheinlich.

Dass die hier nur schemenhaft skizzierte Problemlage nicht einzig durch zwielichtige Elemente in der herrschenden Klasse entstanden ist, liegt auf der Hand. It always takes two to tango. Die Problemlage zeigt, dass die Medien einmal mehr ihrer Aufgabe als Wächter der Demokratie zu fungieren nicht nachkommen …

Am Montag hatte die Generalbundesanwaltschaft bekanntgegeben, dass sechs Verdächtige festgenommen worden seien, die eine Terroranschlag auf ein Flugzeug am Frankfurter Flughafen geplant hätten.
Die mediale Aufmerksamkeit war der Generalbundesanwaltschaft damit natürlich sicher. Der Spiegel titelte umgehend: „Bundesanwaltschaft vereitelt Anschlag auf Flugzeug“, allseits besorgte Kommentatoren sahen den „Gefahrenraum“ Deutschland „im Fadenkreuz“ der terroristischen Bedrohung.

Heute, vier Tage später, erweist sich dieser geplante Anschlag mehr und mehr als das Produkt politischer Imagination.
So hat zunächst überrascht, dass fünf der sechs Terror-Verdächtigen schon am nächsten Tag wieder in die Freiheit entlassen wurden. In einem heute veröffentlichten Artikel der Süddeutschen Zeitung wird auch klar, warum dies so geschehen ist. In dem Artikel werden „Sicherheitskreise“ zitiert, die der Bundesanwaltschaft vorwerfen, die Terrorgefahr etwas „aufgebauscht“ zu haben. Gegen die vermeintlichen Terrorplaner habe es „nie ernsthafte Verdachtsmomente“ gegeben. Der Fall sei gar wegen seiner „Nichtigkeit“ längst zu den Akten gelegt worden. Zudem legt der Bericht nahe, dass die zu jeder guten Verschwörungsthoerie gehörenden „Hintermänner“, die man wie nach den fehlgeschlagenen Kofferbombenattentaten bei der Generalbundesanwaltschaft schnell zur Hand hatte, wohl nur in den Köpfen von Frau Harms und Co. zu existieren scheinen.

Mit diesen Informationen erscheinen die ‘verhinderten’ Terroranschläge und deren Bekanntgabe, die nach Angaben der Sicherheitsbehörden den Zweck hatte, „den Fahndungsdruck und die Wachsamkeit der Bürger (zu) erhöhen.“ in einem etwas zweifelhafteren Lichte.
In der anvisierten „Wachsamkeitserhöhung“ der Bevölkerung – argwöhnisch könnte man auch von der Produktion von Terrorangst sprechen – liegt wohl auch tatsächlich das Hauptmotiv für den „übereifrigen“ Aktionismus der Bundesanwaltschaft begründet, der wahrscheinlich auch durch die Öffentlichkeitsarbeit des MI5 befeuert wurde. Der hatte in der vergangenen Woche, wie berichtet, mit qualitativ und quantitativ weitaus imponierenderen Gedankengebilden die „Wachsamkeit“ der englischen Bevölkerung zu erhöhen versucht.

Einen Gruß von
Karlstadt

Update: Hier ein guter Artikel von Florian Rötzer zu diesem Thema

„Und Angela Merkel ist uns jetzt aus Berlin zugeschaltet“, mit diesen Worten bereitete Marietta Slomka, die News-Frau des heute-journals die Zuschauer auf das Interview mit der Bundeskanzlerin in der Sendung vom 22. November 2006 vor. Der 22. November war für alle Journalisten, die dem Fetisch des Jahrestagsjournalismus huldigen, ein ganz besonderer Tag: Ein Jahr große Koalition – wenn das kein Nachrichten-Aufhänger par excellence ist! Es war abzusehen, dass das heute-journal ebenfalls seinen journalistischen Beitrag zum Thema abliefern wollte. Doch wäre das heute-journal nicht das heute-journal, wenn die Redaktion sich nicht etwas ganz besonderes Pfiffiges ausgedacht hätte, um der Berichterstattung den notwendigen Glanz zu verleihen. Für die Zuschauer (und uns) nur das Beste, musste sich die Redaktion von heute gedacht haben. Ein Interview mit der Bundeskanzlerin war da genau das Richtige.

An und für sich auch eine gute Idee, bietet sich doch so die Möglichkeit, die Kanzlerin, also die Frau, die neben dem Bundespräsidenten die höchste (formale) Verantwortung für die Bundesrepublik inne hat, kritisch zu befragen.
Wir erinnern uns daran, dass Journalisten eine besondere Stellung in der Gesellschaft zukommt; idealtypisch funktionieren sie als Kontrollorgan der Demokratie. Aufgrund ihres Berufes sind sie in der Lage, mit den Herrschenden direkt in Kontakt zu treten, können Fragen stellen, die die Menschen im Land interessieren. Fragen, die diese Menschen wahrscheinlich niemals persönlich stellen können. Und, da wir alle wissen, dass die Anforderungen an Journalisten in etablierten Medien hoch und die Zugangswege schwierig sind, könnten wir eigentlich davon ausgehen, dass nun ein Lehrstück der kritischen Interview-Kunst folgt.

Doch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Realität macht auch vor dem heute- journal nicht halt.„Ein Jahr im Kanzleramt: Wie isses denn so, Kanzlerin zu sein?“, fragt Frau Slomka mit einem herzlichen Lachen die Kanzlerin. Diese antwortet darauf, dass es Freude macht, Kanzlerin zu sein, dass es natürlich auch schon schwierige Momente gegeben hat und dass die Getränke im Kühlschrank des Kanzleramtes ganz doll kühl sind. Gut, das mit den Getränken und dem Kühlschrank im Kanzleramt, das hat sie nicht gesagt. Hätte aber ganz gut reingepasst in das Interview im Kuschelformat. So sieht es aus, wenn Frau Slomka nachhakt: Das Jahr im Kanzleramt, war aber doch auch bestimmt „ein sehr anstrengendes Jahr?“ Eine Frage, die die Kanzlerin zum Anlass nimmt, auf ihre große Verantwortung hinzuweisen, aber auch zu betonen, dass es ja glücklicherweise Mitarbeiter gibt, die tatkräftig mit anpacken.
All diejenigen Fernsehzuschauer, die sich noch an den Wutausbruch des ehemaligen Bundestrainers Rudi Völler erinnern, als dieser auf die anhaltende Kritik an seiner Mannschaft in einem Interview in der ARD mit Waldemar ‚Waldi’ Hartmann klarstellte, dass es keinen „tieferen Tiefpunkt“ als den „Tiefpunkt“ geben könne, belehrt Frau Slomka nun eifrig und emsig eines besseren:
„Jeder, der einen neuen Job antritt, macht auch neue Erfahrungen. Aus welcher Erfahrung haben Sie am meisten gelernt? fragt Marietta Slomka. Danach folgen lustige Fragen wie: „Sehen Sie denn ihre Rolle in der großen Koalition eher als Anführerin oder als Vermittlerin?“ Und: ob Sie denn erwarte bei dem bevorstehenden Parteitag anstatt wie beim letzten Mal 88 Prozent der Stimmen, nun 90 Prozent oder vielleicht nur 70 Prozent der Stimmen zu bekommen. Da wir gerade bei Zahlen sind: 6 Minuten und 31 Sekunden dauerte das Interview im Schonwaschgang. 6 Minuten und 31 Sekunden, in denen wahrscheinlich jeder Schüler der Mittelstufe kritischere Fragen gestellt hätte. Stattdessen verwiesen die mal mehr und mal weniger offensichtlichen mimischen Sympathiezugeständnisse von Frau Slomka auf die unbewusste Komplizenschaft von manchen Journalisten mit den Weichenstellern unseres Landes.
Bei aller Kritik darf jedoch nicht vergessen werden: „Mit dem Zweiten sieht man besser“. Wenn da nur nicht die Sache mit der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit wäre…

Bei der medialen Aufbereitung des Amoklaufs des Sebastian B. werkeln Gesellschaftsexperten und Journalisten gerade an den Ursachen und Motiven für die Tat. Und wie nach Erfurt finden viele diese weniger in den gesellschaftlichen Verhältnissen als vielmehr in den virtuellen Gewaltspielen, die als Inspirationsquelle für Amokläufe dieser Form dienten. Man kommt zu dem bewährten Schluss: Virtuelles Totmachen verführt zu echtem Totmachen.

Bevor Politik und Medien jetzt wieder konkrete Verbotsmaßnahmen fordern (sie werden es tun), sollten sie sich vielleicht zunächst einer anderen Inspirationsquelle widmen, an der sich Sebastian B. orientiert hat, wie ein Bekannter B.s gegenüber dem Spiegel einräumt: B. träumte von einer Karriere bei der Bundeswehr. „Das fand er cool, mit Uniform oder Kampfanzug in die Schlacht zu ziehen. Er hat ja auch privat gern einen Tarnanzug angezogen, hat ja auch niemanden gestört“.

Ja, wenn man sich das wesentlich materiellere Treiben bei der Bundeswehr zu Gemüte führt, dann ist Counterstrike zocken wohl nicht viel mehr als Trockenschwimmen. Dank der Umwandlung des verteidigenden „Bürgers in Uniform“ in einen „Interventionskrieger“ (was übrigens auch kaum jemanden zu stören scheint) lernt man dort auch endlich wieder, wie man richtig totmacht. Ganz sicher. Man braucht sich da ja nur das aktuelle Spiegel-Cover anzuschauen.

Einen Gruß von
Karlstadt

Nachtrag: Hier ein Link, der den Wortlaut des Abschiedsbriefs von Sebastian B. wiedergibt (der ursprünglich auf seiner Website zu finden war, die man ziemlich rasch vom Netz genommen hat).

Soweit ist es nun also gekommen mit der SPD. Man erinnere sich: Im jüngsten Bundestagswahlkampf hat sich die SPD trotz konsequenter mehrjähriger neoliberaler Politik groteskerweise (und dennoch durchaus erfolgreich, wie die Wahlergebnisse gezeigt haben) als „soziale Alternative“ zur CDU vermarktet.
Mittlerweile ist man in der Realität einer großen Koalition angekommen. Eine Realität, in der CSU-Generalsekretär Markus Söder einer SPD vorwerfen kann, dass sie „neoliberale Tendenzen“ aufweise, ja dass ihr generell die soziale Gerechtigkeit abhanden gekommen sei.
Konkreter Bezugspunkt Söders ist die strikte Ablehnung des Vorschlags von Jürgen Rüttgers, langjährigen Beitragszahlern länger Arbeitslosengeld zu zahlen. Der Vorschlag löste gereizte Reaktionen seitens der SPD aus und wurde von Müntefering mit rustikalen Bemerkungen wie „Sauerei“ und „blanke Heuchelei“ kommentiert.

Es sei dahingestellt, ob es nun der CSU wirklich um „soziale Gerechtigkeit“ geht, oder wie auch immer die parteitaktischen Motive für die Äußerungen Söders aussehen mögen. Seine Kritik trifft jedenfalls exakt ins mittlerweile neoliberale Herz der SPD, die sich immer offener und unverhohlener als Anwältin einer Wirtschaftselite zu erkennen gibt:

Wenn man lesen muss, wie SPD-Vorsitzender Beck unter „starkem Beifall der rund 1500 Arbeitgebervertreter“ die Rüttgers-Vorschläge abkanzelt. Wenn der gleiche SPD-Vorsitzende mit stereotypen neoliberalen Floskeln und Verbalautomatismen als Werbeträger der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ fungiert. Wenn er den neuen Unterschichten mangelnden „sozialen Aufstiegswillen“ vorwirft, und damit ganz im Geiste der „Du-bist-der-Laden“-Kampagne die sozialen Ursachen des Unterschichtenproblems zu einem individuellen Eigenverschulden umdeutet. Wenn weiter die von Michael Glos geplanten Strompreiskontrollen für die monopolisierenden Stromkonzerne von Teilen der SPD-Führung als ‘DDR-Politik’ diffamiert wird. Wenn es schließlich tatsächlich so weit gekommen ist, dass die Zustimmung des „SPD-Linken“ Oskar Schreiner bezüglich der Verlängerung des Arbeitslosengeldes medial als „radikal“ klassifiziert werden kann, wie es die taz ohne wirkliche Ironie getan hat:

dann kann man nicht umhin, Herrn Söders Aussage im Geiste zu bekräftigen: Der SPD ist in der Tat die Gerechtigkeit abhanden gekommen.

Und damit übrigens auch das Volk und die traditionelle Basis der einstigen Arbeiterpartei, die kontiniuierlich zerbröckelt.
Vielleicht stellt sich ja auch bei der SPD noch die Erkenntnis ein, dass hier vielleicht ein logischer Zusammenhang bestehen könnte. Sonst ist es mehr als wahrscheinlich, dass ihr schlussendlich auch noch die politische Bedeutung abhanden kommt.

Einen Gruß von
Karlstadt

Man hat eigentlich geradezu darauf gewartet: Passend zur Vorweihnachtszeit ist einmal mehr die Al-Quaidische Terrorismusgefahr vom britischen MI-5 aus den geheimdienstlichen Katakomben in die mediale Öffentlichkeit gehievt worden.

Diese häufiger werdenden PR-Aktionen des Geheimdienstes machen deutlich, dass Geheimdienste eine immer wichtigere Funktion einnehmen, wenn es um die mediale Produktion von Terrorgefahr geht. Früher eher im Stillen tätig, sind sie mittlerweile richtig geschwätzig geworden, um im engen Verbund mit Politik und Medien fleißig an der Angst vor dem Terror zu arbeiten.

Man denke nur an die spektakuläre Verhinderung der vorgestellten Anschläge in London im August diesen Jahres, die als dramatische Last-Minute-Rescue mit Babymilchanalysen etc. choreographiert wurde und deren ’schreckliches Ausmaß’ anschließend mit der Wiederholung der immergleichen Katastrophen-Phrasen wie etwa dem „Massenmord in unvorstellbarer Dimension“ (eine Formel ,die ja gerade nichts anderes zum Ziel hat, als ihn vorstellbar zu machen) medial eingehämmert wurde.
Auch die neusten Enthüllungen weisen eine klare medienwirksame und paranoide narrative Struktur auf, worauf allein schon die handliche Arithmetik hinweist, mit der man die Gefahr rezipientenfreundlich materialisiert: So hat man herausgefunden, dass sich 1600 runde Terroristen in 200 runden Terrorzellen organisieren, die 30 runde Terroranschläge durchführen, wobei man natürlich nicht vergisst, auf die vielen unentdeckten Anschlagspläne hinzuweisen (Hier findet der Begriff „Verschwörungstheorie“ im wörtlichen Sinne in der Tat seine Berechtigung). Und natürlich artikuliert man auch die entsprechenden Horrorszenarien „mit massenhaft Opfern“ (so viele, die kann man dann doch beim besten Willen nicht im Voraus berechnen), die von biologischen Angriffen bis zur terroristischen Nuklearattacke reichen.

Jede Menge also, was da auf den Plan gehoben wurde. Deshalb auch wenig verwunderlich, dass sich der Geheimdienst da durch einen gewachsenen Arbeitsaufwand geplagt sieht, wie die Inlands-Geheimdienstchefin „enthüllt“:

In ihrer dritten Rede seit dem Londoner U-Bahn Anschlag von 2005 enthüllte Manningham-Buller, die Arbeitslast der britischen Terrorfahnder sei seit Anfang des Jahres um 80 Prozent gestiegen.

Ich bin mir ja nicht ganz sicher, aber möglicherweise liegt das vor allem daran, dass es wesentlich weniger aufwändig ist, Terror tatsächlich zu verhindern, als die Angst vor ihm im Bewusstsein der Bevölkerung zu fabrizieren.

Einen Gruß von
Karlstadt

Es gibt die offizielle Wahrheit, die inoffizielle Wahrheit und die nackte Wahrheit. Ihr hat sich der US-amerikanische Ausnahme-Journalist Alex Jones mit Leib und Leben verschrieben.
Es ist der Dreck, der nach und nach aus den verwinkelten Kanälen einer elitär bestimmten Politik nach oben gespült wird, der zum Untersuchungsobjekt seiner journalistischen Arbeit wird. Ob er sich mit den verborgenen Interaktionsmustern von Eliten auseinandersetzt, Nachforschungen über rituellen Missbrauch in den Reihen der feinen Gesellschaft anstellt oder die Ausbreitung des Überwachungsstaates kritisiert: Dort wo der ‚Qualitätsjournalismus’ wegschaut, wo aus Unwissenheit, aus politischer Unmündigkeit, aus vorauseilendem Gehorsam sich lieber mit konsensfähigeren Themen auseinandergesetzt wird, dort platzt Alex Jones hinein, bewaffnet mit einem Mikrofon, einem kleinen Kamerateam und einem Bündel an unbequemen Fragen.

Fast schon ein Musterbeispiel für einen kompromisslosen Journalismus, sein Auftritt bei der Führerscheinstelle in Texas, wo er sich weigert seinen Fingerabdruck abzugeben und mit den Mitarbeiter der Behörde einen Grundsatzdiskussion zum Thema Überwachungsstaat führt.
Unverschämt gut, seine Fragen an den Kongressabgeordneten Lloyd Doggett bei einem öffentlichen Auftritt des Politikers in einem Lebensmittelladen, in dem aus dem verbalen Schlagabtausch beinahe ein echter Schlagabtausch wurde.
Legendär sein Eindringen in das Areal des Bohemian Grove für die Fernsehreihe ‚World of Wonders’ des britischen Channels 4, während dort Teile des gesellschaftspolitischen Establishments der USA an einem bizzar-okkulten Ritual teilnahmen (eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Bohemian Grove liefert William Domhoff, Soziologie-Professor an der University of California)

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 richtet sich die Aufmerksamkeit von Jones vor allem auf die Hintergründe dieser Ereignisse. Es verwundert nicht, dass Jones auch zu diesem Thema einmal mehr seiner Position als ‚fighter for truth’ gerecht wird und in dem Kampf gegen den globalen Terror eine heimtückische Manipulation der Öffentlichkeit von kriminellen Elementen innerhalb politischer und wirtschaftlicher Kreise vermutet.
In seiner neuesten Dokumentation mit dem Namen Terrorstorm, die mittlerweile auch in deutscher Synchronisation im Netz zu finden ist, erhebt Jones schwere Vorwürfe: Die Anschläge in den USA, Madrid und London sind für AJ das Resultat eines synthetischen Terrors, eines Terrors, der von Teilen der eigenen Regierung ausgeht, mit der Absicht, verdeckte, nicht der Öffentlichkeit zu vermittelnde, da unlautere, Ziele zu erreichen.
So unglaublich, so absurd, so verrückt wie die in Jones’ Dokumentation aufgestellten Thesen auch auf den ersten Blick zu sein scheinen, sie verdienen es nicht ohne Überprüfung als Unsinn abgetan zu werden.

Denn viele Themen, die Jones bisher aufgegriffen hat, wirken zuerst ähnlich absurd. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass in den Themen mehr Wahrheit steckt, als man glauben wollte/konnte (z.B. Bilderberg, Bohemian Grove, Mind-Control-Projekte). Hinzu kommt die Tatsache, dass synthetischer Terror keineswegs eine neue Erfindung ist. Der Reichtagsbrand, der ‚Überfall’ auf den Sender Tannenberg (2.Weltkrieg), der Zwischenfall im Golf von Tonkin , Operation Ajax (Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh mit Hilfe der CIA im Jahre 1953), Operation Northwood (ein Strategiepapier von 1962 des US-Verteidigungsministeriums dessen Ziel es war, mit Hilfe von „False-Flag-Terror“ einen Krieg gegen Kuba zu inszenieren. In dem Strategiepapier wird u.a. vorgesehen, ein ziviles Passagierflugzeug in der Nähe von Kuba mit US-amerikanischen Passagieren abzuschießen, um vor der Öffentlichkeit den Krieg zu rechtfertigen).

Mit der Dokumentation Terrorstorm hat Alex Jones einmal mehr aus dem Winkel eines pushing-journalist und mit den Waffen des Verstandes, eine Sicht der Dinge präsentiert, die zum Nachdenken anregen sollte.
Sicherlich kann man an den Arbeiten des stämmige Texaners auch einiges kritisieren, so zum Beispiel, die Tatsache, dass er etwa manchmal nicht gerade ‘unparteiisch’ vorgeht oder dass er gerne suggestive audiovisuelle Effekte einsetzt, die die Rezipienten für seine Sicht der Dinge ‚empfänglich’ machen sollen.

In Zeiten aber, in denen ein Bill O’Reilly (USA), ein Hans Leyendecker oder ein Claus Kleber als Flaggeschütze eines etabliertes Journalismus gelten, ist der journalistische ‚Terror’ eines Alex Jones jedoch genau das richtige Gegenmittel.
Im ‚Terrorsturm des Alex Jones’ sollte man mehr sehen als nur ein persönlicher und polemischer Angriff auf die Mächtigen. Im ‚Terrorsturm des Alex Jones’ verdichten sich auf anschauliche Weise die Probleme einer elitär zentrierten degenerierten Politik, wodurch vernünftige Strategien zur Bewältigung dieser Probleme ausgearbeitet werden könnten.
Wie weit Jones noch gehen wird, wird die Zukunft zeigen. Ein Ehrenplatz als Investgativjournalist sollte ihm bereits jetzt gewiss sein.

Das polnische Presseamt hat am vergangenen Mittwoch eine Regelung für Pressefotografen erlassen, die jenen verbietet soll, den polnischen Premier (wohl aufgrund seines Doppelkinnchens) im Profil abzulichten (was mittlerweile wieder durch den wackren Kaczynski zurückgenommen worden ist).

Diese expliziten Regieanweisungen haben einige demokratisch gesinnte Medienvertreter zu deutlicher Kritik veranlasst: „Solche Regelungen, wie Politiker zu fotografieren sind, kennen wir nur aus Diktaturen“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner in Berlin.

Man sieht an diesem Fall eben doch den Unterschied zwischen einer sprichwörtlich in den Kinderschuhen steckenden ‘Demokratie’ wie in Polen, wo man sich noch nicht ganz aus ‘totalitären’ Denk- und Handlungssstrukturen herausgelöst hat, und einer etablierten ‘Demokratie’ wie sie etwa in der Bundesrepublik Deutschland am Werk ist. Hier gibt es nämlich in der Regel solche expliziten Regieanweisungen für die Medien nicht. Hier arbeiten normalerweise die etablierten Medien, in Harmonie mit dem politischen Feld, freiwillig und einvernehmlich an der angemessenen Inszenierung.

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Einen Gruß von
Karlstadt