Das polnische Presseamt hat am vergangenen Mittwoch eine Regelung für Pressefotografen erlassen, die jenen verbietet soll, den polnischen Premier (wohl aufgrund seines Doppelkinnchens) im Profil abzulichten (was mittlerweile wieder durch den wackren Kaczynski zurückgenommen worden ist).
Diese expliziten Regieanweisungen haben einige demokratisch gesinnte Medienvertreter zu deutlicher Kritik veranlasst: „Solche Regelungen, wie Politiker zu fotografieren sind, kennen wir nur aus Diktaturen“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner in Berlin.
Man sieht an diesem Fall eben doch den Unterschied zwischen einer sprichwörtlich in den Kinderschuhen steckenden ‘Demokratie’ wie in Polen, wo man sich noch nicht ganz aus ‘totalitären’ Denk- und Handlungssstrukturen herausgelöst hat, und einer etablierten ‘Demokratie’ wie sie etwa in der Bundesrepublik Deutschland am Werk ist. Hier gibt es nämlich in der Regel solche expliziten Regieanweisungen für die Medien nicht. Hier arbeiten normalerweise die etablierten Medien, in Harmonie mit dem politischen Feld, freiwillig und einvernehmlich an der angemessenen Inszenierung.
Einen Gruß von
Karlstadt

November 4, 2006 at 10:33
Na, Karlstadt, nicht, dass Du jetzt noch wegen Majestätsbeleidigung abgemahnt und verklagt wirst.
November 7, 2006 at 2:06
Es sind nicht so sehr die Kinderschuhe als diese Fremdgelenktheit der Polen … die übrigens Polen untypisch ist!
Übrigens waren die Polinnen schon früher besser angezogen als die Deutschen im Osten!
Wenn Präsidenten aber so ein kleines Selbstbewusstsein haben was durch macht nur kompensiert ist dann wird da nix Gutes kommen!
Das Bild mit Schröder ist aber etwas anderes denn dies hat mit Kameraperspektive zu tun!
Übrigens hatten wir mal eine Zeit wo die Wirtschaft von Magdeburg bis nach Kakau über Danzig verzahnt war!
Das goldene Mittelalter!
Buch dazu: http://www.geokey.de/literatur/doc/Das_Geld_in_der_Geschichte.pdf
November 7, 2006 at 6:09
\“Das Bild mit Schröder ist aber etwas anderes denn dies hat mit Kameraperspektive zu tun!\“
Genau, ne störende Kameraperspektive.
Weil der Zuschauer ohne das Kistchen einen ziemlich kleinen Kanzler zu einem relativ großen Deppendorf aufschauen sehen würde, obwohl\’s doch eigentlich gerade umgekehrt ist.
Da man in den Medien die geformten Anerkennungsverhältnisse aber so sehr schätzt, erhöht man halt gerne mal, bevor der geschätzte Rezipient symbolisch wird.
Eben deshalb das Bild, weil es neben seiner komischen Wirkung sehr deutlich die heimlichen Zensurmechanismen (in weitem Sinne gebraucht) sichtbar macht und symbolisiert.
Manipulative mediale Anerkennungsproduktion, wenn man so will…
Weitere Anmerkungen zum Kistenkanzler von Andreas Hauß:
http://www.medienanalyse-international.de/kistenkanzler.html
November 23, 2006 at 1:48
tja, aus der sicht der medien ist der vorteil dieser harmonie ganz klar: er kann nicht mehr einfach weg, der kistenkanzler. denn wie unangenehm wäre es für ihn, wenn er von seinem kistchen stiege?! er würde damit nicht nur den ganzen medien-schmu aufdecken, sondern auch sich selbst bloß stellen…
man arbeitet sich also gegenseitig zu. und wie bei tom cruise kommt es doch irgendwie raus: deutsche politik und medien auf dem weg nach hollywood. was erklärt, warum diese situation nicht für kritische fragen genutzt wird. – aber das würde ja auch die harmonie stören!