Verschwörung(stheorien)


Am Sonntagabend strahlte BBC2 eine Dokumentation zum Thema ‚Verschwörungstheorien’ und der 11. September aus. Wenig Licht und viel Schatten lagen dabei dicht beieinander.

Bereits im Vorfeld spekulierten einige der Protagonisten des 9/11 Truth Movement über die Seriosität der Dokumentation (z. B. hier und hier )

Die Frage, die im Raum stand, lautete etwa: Wird die BBC sich sachlich und dezidiert mit den Argumenten aus dem 9/11-Truth-Movement auseinandersetzen oder aber, mit ‘Propagandamitteln’ die Erkenntnisse der 9/11-Skeptiker zu verunglimpfen versuchen?
Nach und nach wurden die Spekulationen lauter, dass die Dokumentation eher von der letzten Möglichkeit Gebrauch machen würde. Sonntagabends war es dann soweit: Gut eine Stunde widmete sich BBC2 der Widerlegung von 10 Verschwörungstheorien zu 9/11.

Einen Tag später lieferten sich Alex Jones , Paul Watson und Dylan Avery aus dem 9/11 Truth Movement eine harte Diskussion mit dem Macher der Doku, Guy Smith, im Radio.
Deutlich wurde dabei: Der Kampf um die Meinungshoheit, der Kampf um die Durchsetzung von Wirklichkeitskonstruktionen, der Kampf um Auslegung und Interpretation von Ereignissen und Geschehnissen ist ein schwieriger Kampf, der mit harten Bandagen geführt wird.
Sein Ziel sei es gewesen, sich dem Thema Verschwörungstheorien zum 11. September objektiv anzunehmen und zu schauen, in welche Richtung er dabei geführt werde, sagte Guy Smith in der Radiosendung von Alex Jones. Jones warf ihm das Gegenteil vor: einseitige Recherche und Manipulation. Personen mit Reputation, die der offiziellen Meinung widersprechen und entscheidende Aussagen gemacht haben, habe Smith nicht zu Wort kommen lassen. Außerdem habe die Doku immer wieder auf den Schmerz der Hinterbliebenen verwiesen, die sich durch die Äußerungen der 9/11 Skeptiker verletzt fühlten. Gleichzeitig seien aber die Hinterbliebenen, die ebenfalls an den Ereignissen zweifeln, nicht zur Stellungnahme gebeten worden.

In der Radiodiskussion kritisierte Jones insbesondere das Ignorieren von Operation Northwoods, die für die Behauptung eines Government Cover Ups als Beispiel grundlegend sei. Smith widersprach Jones und sagte, Operation Northwoods läge ja bereits 40 Jahre zurück und sei niemals durchgeführt worden. Smith fügte des Weiteren an, dass er ja nur eine Stunde Zeit zur Verfügung hatte und eben den Inhalt der Dokumentation habe auswählen müssen.

So einseitig die Dokumentation auch war, und bei aller Kritik an ihr: Sie offenbarte auch eine Schwachstelle auf Seiten der Verschwörungstheoretiker, die immer wieder auszumachen ist: schlampige Recherche. Im Lager der 9/11-Skeptiker heißt es, das Flugzeug UA93 sei abgeschossen worden. Teile des Flugszeugs habe man nämlich in einem See, der sich gut 8 Meilen entfernt von dem Absturzgebiet befindet, entdeckt. Wenn das Flugzeug nur abgestürzt sei, könnten Wrackteile ja nicht so weit entfernt gefunden werden. Das Team der Doku hat diese Behauptung überprüft und kam zu folgendem Schluss: Es sind 6.9 Meilen von dem Absturzgebiet bis zu dem See. Allerdings beträgt die Luftlinie nur 1 Meile. Die im See gefundenen Teile seien des Weiteren keine schweren Wrackteile, sondern Papier und ähnliches. Da der Wind in Richtung des See geweht habe, sei es keine Verwunderung, dass
man leichte Teile dort gefunden habe.

Es kann an dieser Stelle kein Urteil darüber gefällt werden, welche Seite nun bezüglich der Vorkommnisse von U93 den tatsächlichen Ereignissen näher kommt.

Deutlich wurde durch die Doku aber noch einmal, dass es nicht genügt, Meldungen, auf die man stößt, ohne genaue Überprüfung als unhinterfragte ‚Wahrheit’ zu verbreiten. Gerade bei einem Thema wie 9/11 muss jede Behauptung und Vermutung, muss jeder Verdacht und jede Anschuldigung doppelt und dreifach abgesichert sein. Eine Recherche vor Ort, Gespräche mit Augenzeugen usw. sind grundlegend. Leider kommen einige der Protagonisten aus dem 9/11 Truth Movement dieser Verpflichtung nicht nach.

Allerdings gibt es auch eine ganz entscheidende Stelle in der Dokumentation, die deutlich aufzeigt, wie schwach die Denk- und Kritikfähigkeit der Dokumentationsmacher ist. Schon seit einigen Jahren wird immer wieder im Internet davon gesprochen, dass am 11. September 2001 eine groß angelegte militärische Übung in den USA stattgefunden hat, bei der die Luftfahrtbehörden das Vorgehen bei einer Entführung von mehreren Flugzeugen übten.
Die Dokumentation bestätigte dies durch Originalaufnahmen von Gesprächen der Bodenkontrolle. Dass dann eine so wichtige Information nur erwähnt wird, sie aber nicht zum Anlass genommen wird, diesen doch recht merkwürdigen ‚Zufall’ zu hinterfragen, ist nicht nachzuvollziehen.

Wahrscheinlich wird die Dokumentation in den nächsten Wochen auch im ZDF in Deutsch zu sehen sein.

Bud Spencer

Am Montag hatte die Generalbundesanwaltschaft bekanntgegeben, dass sechs Verdächtige festgenommen worden seien, die eine Terroranschlag auf ein Flugzeug am Frankfurter Flughafen geplant hätten.
Die mediale Aufmerksamkeit war der Generalbundesanwaltschaft damit natürlich sicher. Der Spiegel titelte umgehend: „Bundesanwaltschaft vereitelt Anschlag auf Flugzeug“, allseits besorgte Kommentatoren sahen den „Gefahrenraum“ Deutschland „im Fadenkreuz“ der terroristischen Bedrohung.

Heute, vier Tage später, erweist sich dieser geplante Anschlag mehr und mehr als das Produkt politischer Imagination.
So hat zunächst überrascht, dass fünf der sechs Terror-Verdächtigen schon am nächsten Tag wieder in die Freiheit entlassen wurden. In einem heute veröffentlichten Artikel der Süddeutschen Zeitung wird auch klar, warum dies so geschehen ist. In dem Artikel werden „Sicherheitskreise“ zitiert, die der Bundesanwaltschaft vorwerfen, die Terrorgefahr etwas „aufgebauscht“ zu haben. Gegen die vermeintlichen Terrorplaner habe es „nie ernsthafte Verdachtsmomente“ gegeben. Der Fall sei gar wegen seiner „Nichtigkeit“ längst zu den Akten gelegt worden. Zudem legt der Bericht nahe, dass die zu jeder guten Verschwörungsthoerie gehörenden „Hintermänner“, die man wie nach den fehlgeschlagenen Kofferbombenattentaten bei der Generalbundesanwaltschaft schnell zur Hand hatte, wohl nur in den Köpfen von Frau Harms und Co. zu existieren scheinen.

Mit diesen Informationen erscheinen die ‘verhinderten’ Terroranschläge und deren Bekanntgabe, die nach Angaben der Sicherheitsbehörden den Zweck hatte, „den Fahndungsdruck und die Wachsamkeit der Bürger (zu) erhöhen.“ in einem etwas zweifelhafteren Lichte.
In der anvisierten „Wachsamkeitserhöhung“ der Bevölkerung – argwöhnisch könnte man auch von der Produktion von Terrorangst sprechen – liegt wohl auch tatsächlich das Hauptmotiv für den „übereifrigen“ Aktionismus der Bundesanwaltschaft begründet, der wahrscheinlich auch durch die Öffentlichkeitsarbeit des MI5 befeuert wurde. Der hatte in der vergangenen Woche, wie berichtet, mit qualitativ und quantitativ weitaus imponierenderen Gedankengebilden die „Wachsamkeit“ der englischen Bevölkerung zu erhöhen versucht.

Einen Gruß von
Karlstadt

Update: Hier ein guter Artikel von Florian Rötzer zu diesem Thema

Man hat eigentlich geradezu darauf gewartet: Passend zur Vorweihnachtszeit ist einmal mehr die Al-Quaidische Terrorismusgefahr vom britischen MI-5 aus den geheimdienstlichen Katakomben in die mediale Öffentlichkeit gehievt worden.

Diese häufiger werdenden PR-Aktionen des Geheimdienstes machen deutlich, dass Geheimdienste eine immer wichtigere Funktion einnehmen, wenn es um die mediale Produktion von Terrorgefahr geht. Früher eher im Stillen tätig, sind sie mittlerweile richtig geschwätzig geworden, um im engen Verbund mit Politik und Medien fleißig an der Angst vor dem Terror zu arbeiten.

Man denke nur an die spektakuläre Verhinderung der vorgestellten Anschläge in London im August diesen Jahres, die als dramatische Last-Minute-Rescue mit Babymilchanalysen etc. choreographiert wurde und deren ’schreckliches Ausmaß’ anschließend mit der Wiederholung der immergleichen Katastrophen-Phrasen wie etwa dem „Massenmord in unvorstellbarer Dimension“ (eine Formel ,die ja gerade nichts anderes zum Ziel hat, als ihn vorstellbar zu machen) medial eingehämmert wurde.
Auch die neusten Enthüllungen weisen eine klare medienwirksame und paranoide narrative Struktur auf, worauf allein schon die handliche Arithmetik hinweist, mit der man die Gefahr rezipientenfreundlich materialisiert: So hat man herausgefunden, dass sich 1600 runde Terroristen in 200 runden Terrorzellen organisieren, die 30 runde Terroranschläge durchführen, wobei man natürlich nicht vergisst, auf die vielen unentdeckten Anschlagspläne hinzuweisen (Hier findet der Begriff „Verschwörungstheorie“ im wörtlichen Sinne in der Tat seine Berechtigung). Und natürlich artikuliert man auch die entsprechenden Horrorszenarien „mit massenhaft Opfern“ (so viele, die kann man dann doch beim besten Willen nicht im Voraus berechnen), die von biologischen Angriffen bis zur terroristischen Nuklearattacke reichen.

Jede Menge also, was da auf den Plan gehoben wurde. Deshalb auch wenig verwunderlich, dass sich der Geheimdienst da durch einen gewachsenen Arbeitsaufwand geplagt sieht, wie die Inlands-Geheimdienstchefin „enthüllt“:

In ihrer dritten Rede seit dem Londoner U-Bahn Anschlag von 2005 enthüllte Manningham-Buller, die Arbeitslast der britischen Terrorfahnder sei seit Anfang des Jahres um 80 Prozent gestiegen.

Ich bin mir ja nicht ganz sicher, aber möglicherweise liegt das vor allem daran, dass es wesentlich weniger aufwändig ist, Terror tatsächlich zu verhindern, als die Angst vor ihm im Bewusstsein der Bevölkerung zu fabrizieren.

Einen Gruß von
Karlstadt

Die Republikaner drücken angesichts der drohenden Wahlniederlage bei den anstehenden Kongresswahlen mal wieder den „Fear-Button“. Auf ihrer Homepage haben sie jetzt ein Propaganda-Video mit dem Titel „These Are The Stakes“ veröffentlicht (der Spiegel zieht die Bezeichnung „Werbespot“ vor), das sich inhaltlich und formal durchaus mit den medial geächteten ‘“Terrorvideos“ der Al-Quaida messen kann.

Das Video montiert im MTV-Stil die Gesichter altgedienter Bösewichter, wie etwa OBL und al-Sawahiri, die mit Textzitaten versehen sind, die beispielsweise einen noch gigantischeren Anschlag als 911 ankündigen. Zusätzlich sind – abgedunkelt und in Schwarz-Weiß – im Hintergrund Bilder kämpfender ‘Dschihadisten’ zu sehen. Akustisch untermalt wird das Ganze von einem intensiver werdenden Ticken einer Bombe, die gegen Ende des ‘Spots’ explodiert. Damit der Rezipient auch weiß, dass er davor Angst haben muss, ist schließlich noch ein pochendes Herz zu hören.

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Der beängstigendste Aspekt dieses Videos ist dessen unmittelbar ins Auge springende Plumpheit. Waren in den bisherigen ‘Produktion’ von Terrorangst zumindest Spurenelemente einer Argumentation zu erkennen, so zielt dieses Machwerk nur noch auf das verlängerte Rückenmark ab. Allein die Tatsache, dass ein solches Produkt überhaupt erscheinen kann (wenn man sich die Pressereaktionen z. B. der Times oder der Washington Post anschaut, dann scheint man ihm keine große Beachtung zu schenken), ist daher ein äußerst bedenklicher Beleg für die geistige Verfassung, die sich in den USA fünf Jahre nach 911 großteils etabliert hat.

Mitleid mit den sich laut Spiegel brav empörenden ‘Demokraten’ muss man übrigens nicht unbedingt haben. Haben diese doch die Ermächtigungsgesetze, mit denen die Bush-Regierung demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt hat, teils mitgetragen, teils passiv erduldet.
Ein wirklicher Widerstand (Einzelfälle ausgenommen) gegen diese für die US-amerikanische Geschichte nahezu beispiellose Entdemokratisierung hat jedenfalls nicht stattgefunden. Statt dessen hat man sich z.B. lieber im Verein mit den großen Medien an der populistisch wirksamen Foley-Sexaffäre ausgelassen (also ganz im Stile der Republikaner, wenn man an die Lewinsky-Affäre denkt).

Einen Gruß von
Karlstadt

Die mediale Interpretation der kürzlich aufgetauchten Videos, die angeblich Mohammed Atta und co. in einem afghanischen ‘Terrorcamp’ zeigen, ist durchaus aufschlussreich. Sie zeigt nämlich, dass es kaum strukturelle Unterschiede zwischen den Deutungsmustern sogenannter „Verschwörungstheorien“ und „offiziellen“ und damit legitimen Deutungsmustern gibt.

Geht man nach den etablierten Medien und den Humanwissenschaften, die bezüglich der Bewertung von „Verschwörungstheorien“ sich meist bemerkenswert einig sind, dann ist ein Hauptmerkmal von Verschwörungstheorien, dass sie scheinlogische und fiktive Kausalzusammenhänge zusammenspinnen, mittels denen sie ihr unterkomplexes und paranoides Weltbild zusammenbauen. Hier eine typische wissenschaftiche Charakterisierung, die sich im Kern bei fast allen wissenschafltichen Texten über „Verschwörungstheorien“ finden lässt:

Verschwörungstheorien sind einerseits oft widersprüchlich. Andererseits besitzen sie eine bestimmte ‚Logik’ und Kohärenz, die in der Wirklichkeit gar nicht existiert. Fakten werden in Kausalzusammenhänge gesetzt, wo keine bestehen, Zufälle werden bestritten, der äußere Schein in sein Gegenteil verkehrt. Die Leitfrage des Verschwörungstheoretikers lautet dabei stets: Cui bono? Dies impliziert: Wem ein Ereignis nützt, der muss es auch verursacht haben. Auf der Basis dieser nicht hinterfragten Prämisse werden dann detaillierte Begründungszusammenhänge konstruiert.

(Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien im deutschen Mediendiskurs nach dem 11. September, soFid Kommunikationswissenchaft 2005/1)

Nun betrachte man, diese Bestimmungen im Hinterkopf, die offizielle Interpretation des Videos durch die Londoner Times:

Zunächst einmal erstaunt die unkritische Akzeptanz der Echtheit der durch „bewährte Kanäle“ bereitgestellten Videos, die von anonymen us-amerikanischen und al-quaidischen Quellen bestätigt wurde. Die naheliegende und relevante Frage, inwieweit solchen anonymen Wissensquellen vertraut werden kann, wird nicht mal im Ansatz gestellt.

Interessanter ist jedoch die Art und Weise, wie das Material durch die Times und sich daran orientierenden deutschen Medien gedeutet wird:

Zunächst einmal kurz zu den Informationen, die die aufgetauchten Videos zur Verfügung stellen:
Man sieht eine Versammlung im Freien, vor der Osama bin Laden eine Rede hält. Ein Zeitstempel ist eingeblendet, der das Datum 8.1.2000 anzeigt. Wo diese Zusammenkunft stattfindet, ist nicht wirklich ersichtlich. Dann gibt es weitere Videos, die laut Zeitstempel 10 Tage später aufgenommen wurden und vermutlich Mohammed Atta und Ziad Samir Jarrah zeigen, sowohl einzeln als auch zusammen, die etwas in die Kamera sprechen. Alle beschriebenen Aufnahmen sind ohne Ton zu sehen (was etwas seltsam ist, wenn man bedenkt, dass ein Testament, das vorgelesen werden soll, als Stummfilm ziemlich unbrauchbar ist).

Diese relativ spärlichen Informationen werden jedoch in der Times zu einem der letzten ‘Puzzleteile’ der Hintergründe des 11. Septembers stilisiert. Dabei werden, wie Herr Jaecker oben über „Verschwörungstheorien“ schreibt, Schlüsse gezogen und Begründungszusammenhänge konstruiert, die das Material nicht hergeben.

Zunächst wird das Setting genau bestimmt: Obwohl es keine erkennbaren Hinweise darauf gibt, wo die Bilder aufgenommen wurden, wird postuliert bzw. suggeriert, dass die Bilder ein afghanisches ‘Terrorcamp’ zeigen, wobei sich auf US-Geheimdiensterkenntnisse berufen wird.
Ist diese Schlussfolgerung noch irgendwie plausibel (obwohl nicht erklärt wird, wie man verifiziert hat, dass es sich um das besagte ‘Terrorcamp’ handelt), werden bei der Interpretation der Atta/Jarrah-Videos Begründungszusammenhänge geschaffen, die sich nicht zwingend aus den Videoaufnahmen ergeben. So wird ignoriert, dass trotz der Tatsache, dass die verschiedenen Videoaufnahmen auf einer Kassette zu finden sind, kein erkennbarer und zwingender Zusammenhang zwischen der Aufnahme der Osama-Rede und den anderen Aufnahmen bestehen, da weder Atta noch Jarrah auf diesem Video zu sehen sind. Zudem sind die Anhaltspunkte, wo die Aufnahmen gemacht wurden, noch spärlicher als auf dem ersten OBL-Video. Dennoch wird medial ganz selbstverständlich ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ausschnitten hergestellt wird, wie folgendes Zitat aus der Times verdeutlicht:

TEN days after Bin Laden’s Eid speech, according to the date on the film, Atta and Jarrah read their martyrdom wills to the camera. This proof of their presence in Afghanistan at that time is just about the final main piece of the jigsaw: Atta, the man who decided zero hour on September 11 is for the first time on video, getting ready to record his “martyrdom” will.

Durch diese wagemutigen Schlussfolgerungen werden die wenig aussagekräftigen Stummfilme von Atta und Co. als „main pieces“ des großen 911-Puzzles gefeiert, das die Medien seit über fünf jahren zusammengesetzt haben.
Dieser Einschätzung schließen sich auch die deutschen Mainstream-Medien weitgehend an, allen voran der Spiegel, der die Aufnahmen ähnlich wie die Times als Beweis für die Anwesenheit der beiden in Afghanistan ansieht.

Das vollendete Werk wird am Schluss des Artikels schließlich in einer Time-Line („Atta’s journey to mass murder“) präsentiert, in dem das fehlende Puzzle-Stück eingefügt ist:

January 2000 At Bin Laden’s Tarnak Farm he is filmed laughing and joking with Jarrah while filming his last will and testament

So wird schließlich ganz in der von Jaecker beschriebenen „verschwörungstheoretischen“ Manier zweifelhafte und unreflektierte Interpretation durch kreative Begründungszusammenhänge in objektive Gewissheit überführt und in das bestehende ‘offizielle’ Deutungsschema eingefügt, das wiederum zur unhinterfragten Grundlage für die Fabrikation weiterer Erkenntnisse und Beweise dienen kann.
Nach soviel Arbeit an der Wahrheit hat sich der Autor dann auch das obligatorische Verschwörungstheorien-Bashing mehr als verdient:

Now the investigators have the proof, and only the flakiest of anti-American fantasists can go on claiming that Bin Laden, Atta, Jarrah and co had no hand in September 11.

Einen Gruß von
Karlstadt

Die New York Times beschäftigt sich heute in ihrer Internetausgabe mit der Reaktion der 911-Commission auf ein Treffen zwischen George Tenet und Condoleezza Rice im Juli 2001, in dem es offensichtlich um aktuelle terroristische Bedrohungen der USA durch Al-Quaida ging. Mitglieder der Commission drückten der Times zufolge ihre Verärgerung darüber aus, trotz Befragungen der beiden Probanden, nichts über dieses Treffen erfahren zu haben:

In interviews Saturday and Sunday, commission members said they were never told about the meeting despite hours of public and private questioning with Ms. Rice, Mr. Tenet and Mr. Black, much of it focused specifically on how the White House dealt with terrorist threats in the summer of 2001.

Dieser Umstand ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass der Bericht der 911-Komission ungeachtet seines beachtlichen Umfangs (der für viele allein deshalb schon detailliert zu sein scheint) – in vielerlei Hinsicht mangel- und lückenhaft ist und dass die US-Regierung wenig Interesse an der Unterstützung der Aufklärungsarbeit hat.
Wer sich übrigens im Detail für dieses offenkundige Desinteresse interessiert, der sollte sich die Dokumentation Press for Truth (als Google-Video) anschauen. Die Dokumentation konstruiert keine „Verschwörungstheorien“ im eigentlichen Sinne, sondern entlarvt anhand von „offiziellem“ Material und Mediendokumenten eindrucksvoll, mit welcher Dreistigkeit Mr. Cheney, Mr. Bush, Ms. Rice und Konsortien die Aufklärung zu den Anschlägen am 11. September zu be- und verhindern such(t)en.

Einen Gruß von
Karlstadt

Wirklich erstaunlich: Zum fünften Jahrestag von 911 scheinen sich einige der etablierten Medien zumindest ansatzweise sachlich mit den dazugehörigen sogenannten Verschwörungstheorien auseinanderzusetzen.

So beschäftigen sich anlässlich des nahenden Jahrestages die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau überraschend unaufgeregt mit dem Thema 911-Verschwörungstheorie, letztere lässt sogar Matthias Bröckers unkommentiert zu Wort kommen, was wirklich Respekt verdient, angesichts des im journalistischen Feld bisher zu beobachtenden Auschlusses alternativer Deutungsmuster.

Aber natürlich überwiegen weiterhin die üblichen von Argumenten befreiten Diffamierungen wie sie vom „Wie es wirklich geschah“ wissenden Spiegel seit mehr als fünf Jahren verbreitet werden.
Auch ein Beitrag des heute-journal in Person der schlichten Marietta Slomka und dem zum Terror-Experten geadelten Elmar Theveßen steht dem in nichts nach und weist die typischen Strategien auf, mit denen alle von der offiziellen Verschwörungstheorie abweichenden Deutungsmuster als falsche Wirklichkeit gelabelt werden; wie zum Beispiel durch den zu Wort kommenden Psychologen, der die Existenz von Verschwörungstheorien traditionell mit dem Hang ihrer orientierungslosen Produzenten erklärt, sich in einer komplexen Moderne übereinfache Deutungsmuster zu schaffen (ja genau, und die Version mit in den Tora-Bora-Höhlen sitzenden Mastermind OBL, der die Al-Quaida-Armee fernsteuert, ist ein Ausbund an Differenziertheit).
Wobei allerdings das Unsicherheit verratende „wohl“ im Schlusssatz („Es gab zwar Hinweise auf die Anschläge, die die US-Regierung ignoriert hatte, aber wohl aus Überheblichkeit und Naivität, nicht wegen einer großen Verschwörung“)des merklich schnell produzierten Beitrags – wohl unbeabsichtigt – darauf hindeutet, dass auch hier die unreflektierte Gläubigkeit an die „offiziellen“ Stellen und ihre „offizielle“ Verschwörungstheorie langsam ins Wanken kommen könnte.

Diese Gläubigkeit findet sich auch in einem Bröckers-Interview der ‘alternativen’ taz, dessen Durchführung an sich ja durchaus zu loben ist. Der Interviewer und seine Fragen jedoch dokumentieren weitgehend die in den etablierten Medien fehlende Distanz zur „offiziellen“ Wirklichkeitsdeutung:

Genau das ist doch der Tenor des offiziellen 9/11-Untersuchungsberichts: Es waren viele Daten und Indizien vorhanden, die aber nirgends zusammengeführt wurden. Für die staatlichen Sicherheitsbehörden ist das peinlich – das erklärt, was Sie Vertuschung nennen.

Und auch die folgende Bemerkung spricht nicht gerade für ein kritisches Bewusstsein:

Überall in der arabischen Welt steigt die Sympathie für den islamistischen Kampf gegen den Westen. Warum sollten sich westliche Regierungen gefakter Anschläge bedienen, um die Islamisten stark zu machen?

Der offensichtliche Zusammenhang zwischen Durchsetzung von Machtinteressen von westlichen Regierungen und der Konstruktion von Terrorangst (für die es zahlreiche geschichtliche Belege gibt – Ich empfehle die Lektüre eines Washington-Post-Artikels zu einem aktuellen Fall – die angeblich verhinderten Anschläge auf den Sears Tower -, der äußerst aufschlussreich hinsichtlich der „synthetischer“ Produktion vonTerrorangst ist) scheint der Autor naiv auszublenden, was symptomatisch für die generelle Funktionsweise der etablierten Medien ist, zu denen man mittlerweile leider auch die taz rechnen muss.

Eine im Konjunktiv geäußerte Bemerkung des Interviewers ist jedoch einsame Spitze und trift imo als Selbstbekenntnis der in Zusammenhang mit dem 11. September sich weiterhin dokumentierende Autoritätsgläubigkeit der Mainstreamer voll ins Schwarze:

Das müsste wirklich eine weltweite Verschwörung von Dämlichkeit sein.

Diesmal keinerlei Einwände, Herr Interviewer…

Einen Gruß von
Karlstadt

Der Spiegel beklagt sich in einem Artikel über muslimische Verschwörungstheorien, die mit den Kofferbombenattentaten aufgekommen sind. Genau der Spiegel der, wie die anderen großen Mainstreamer, sich seit Tagen diskursiv an vermuteten aber nichtenttarnten Terrornetzwerken ergötzt (siehe Artikel vom 22. August). Also an Verschwörungstheorien im basalen Wortsinne.

Angesichts dieses Umstands könnte man die folgende Charakterisierung der beklagten Verschwörungstheorien durchaus auch als kritische Selbstreflexion eines reuigen ehemaligen Nachrichtenmagazins verstehen:

Was sich hier in diesen Tagen noch finden lässt, ohne groß danach zu suchen: Dutzende von Verschwörungstheorien darüber, wie es in der Welt wirklich zugeht. Und zwar solche, die sich durchaus widersprechen.

Er meint natürlich die anderen: Was folgt ist eine kopfschüttelnde Abkanzelung von muslimischen Phantasien, die aus „westlicher Sicht“ äußerst befremdlich sind. Wie beispielsweise die „seltsamen Thesen“, dass es beim Bundeswehr-Einsatz in Kongo um Geld gehen würde (wie absurd, der Gedanke) oder dass es sich bei den imaginierten Flüssigsprengstoffattentaten um Propaganda handle.

Endgültig disqualifizieren dürften sich die muslimischen Vtler in den Augen des Schreibers durch die verschwörungstheoretische Infragestellung des durchschnittlichen mündigen deutschen Medienrezipientens:

Dagegen sprechen manche Immigranten den Deutschen die Fähigkeit des klugen Medienkonsums ab. „Viele lesen doch nur ‘Bild’ oder schauen Fernsehen, und die halten uns jetzt alle für Terroristen“

Diese Aussage ist auch für mich in der Tat etwas zu undifferenziert: Den Eindruck nämlich, dass alle Muslime (potentielle) Terroristen sind, kann man auch haben, wenn man Spiegel oder Zeit liest.

Einen Gruß von
Karlstadt

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