Mit dem Abgang der Fußballweltmeisterschaft am Sonntag lässt auch der „unverkrampfte“ (Köhler) positive Partypatriotismus merklich nach, wie sich u. a. an den weitgehend wieder abgehängten Klemmfähnchen zeigt (womit auch hoffentlich die überlasteten ArbeiterInnen in den chinesischem Klemmfähnchenfabriken etwas zur Ruhe kommen werden)

Dieses Schicksal wird der in der WM-Vorbereitungsphase installierten Überwachungsarchitektur (Überwachungskameras, RFID-Chips, Sicherheitsüberprüfungen etc.) – was in den euphorisierten Medien weitgehend ignoriert wurde und wird – wohl erspart bleiben, wie auch der Menschenrechtler und Anwalt Rolf Gössner (der sich dringend mal um das Design seiner Homepage kümmern sollte) in einem Telepolis-Interview befürchtet:

Diese anlässlich der WM „salonfähig“ gemachte Überwachungs- und Kontrollstruktur wird überleben und wohl auch ihren Siegeszug außerhalb der Stadien fortsetzen. Das heißt: Nach Abpfiff des Endspiels wird der Ausnahmezustand nicht einfach vorbei sein, sondern weitgehend Alltag bleiben.

Wir haben ja schließlich auch, wie der Herr Innenminister heute schwabuliert hat, anhand der WM „in wunderbarer Weise gelernt, dass Fröhlichkeit und Sicherheit keine Gegensätze sind“ (erinnert mich irgendwie an Nine Inch Nails „Happiness In Slavery“).

Und da das alles so wunderbar ist, plant man nun eine saftige Verschärfung der nach dem 11. September eingeführten Sicherheitsgesetze, denn böse Schlafterroristen und störendes Kommunisten-Gesocks gibt es schließlich ja auch noch nach der WM, nicht wahr?

Und das mit dem unserem Herrn Innenminister diesesmal noch verleideten Inlandseinsatz der Bundeswehrler, die den Partypatriotismus mit Sicherheit noch launiger gemacht hätten (und Flaggen hätten die bestimmt auch genug gehabt – die chinesischen KlemmfähnchenfabrikarbeiterInnen hätten’s ihnen gedankt!), kriegen wir auch noch hin. Damit’s noch sicherer und fröhlicher wird. Wenn alles gut läuft vielleicht schon in vier Jahren.

Schwarz-rot-geile Grüße,

Karlstadt

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