Der Verein Netzwerk Recherche (nr) ist ein illustrer Zusammenschluss von prominenten Journalisten (dem beispielsweise der selbsternannte Großaufklärer und Speerspitze des kritischen Journalismus, Hans Leyendecker von der Süddeutschen, angehört), der eine „Lobby für den in Deutschland vernächlässigten investigativen Journalismus“ sein will.
Und weil man bei nr halt so kritisch ist, hat man einen „Medienkodex“ verfasst und veröffentlicht, eine Art 10 Gebote (es sind tatsächlich 10) für den investigativen Journalisten.

Dieses kritische Werk wurde vor kurzem nun selbst zum Objekt journalistischer Kritik. Florian Ditges, selbst einfaches Mitglied von nr, hat im Fachmagazin journalist vor allem den Vorstand und die intransparenten Kommunikationsstrukturen des nr angeprangert. Woraufhin die sich in ihrer investigativen Ehre besudelt gefühlten nr-Größen mit Unterlassungsforderung, Prozessandrohung und Erwähnung der entstehenden Anwaltskosten reagierten. Also genau mit den Mitteln, mit denen sich kritische Journalisten tagäglich in ihrer Arbeit konfrontiert sehen, woran deutlich wird, was der formulierte Investigativanspruch der eitlen (Vorstands-) Netzwerker in der Praxis wert ist. Würden sie den nämlich ernst nehmen, dann müssten sie wohl als erstes sich selbst missionieren, wie folgende Passage des nr-Credos (Titel: „Was wir wollen“) belegt:

Der Verein sieht sich in der Pflicht, wenn Funktionsträger den freien Fluss von Informationen behindern, wenn kein Geld für Recherchen zur Verfügung gestellt wird, wenn Kollegen für korrekte, kritsche Arbeit angegrifffen oder zum Teil sogar juristisch verfolgt werden.

Wer sich tiefer mit dem Fall befassen möchte, findet eine ausführliche Dokumentation unter http://www.journalist.de (Unter Rubrik Dossier: „nr: Ein kritischer Beitrag und die Reaktionen“)

Investigative Grüße,

Karlstadt


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