Bush ist in Stralsund. Die Online-Headline des ehemaligen Nachrichtenmagazins (Franziska Augstein) Spiegel: „George W. Bush gibt seiner Gastgeberin Angela Merkel ein Küsschen auf die Wange“ (auch der Noch-nie-ein-Nachrichtenmagazin-gewesene Focus gibt ein Bussi) lässt erahnen, welche mediale Affenkomödie in den nächsten Tagen aufgeführt werden wird.

An dieser Inszenierung wirken auch – wir leben schließlich in einer demokratischen Bürgergesellschaft – tausend ausgesuchte Bürger mit, die dem Präsident beim Empfang ein freiheitliches „Vivat, Vivat“ zurufen dürfen. Kein Novum, sondern sich wiederholende Geschichte, das ewige Spiel von Herrschenden und Beherrschten; wie uns schon Georg Büchners in der Bauernszene in „Leonce und Lena“ zeigt, in der eine Bauerngruppe für die adelige Hochzeitszerenomie in einem Fürstentum präpariert wird:

Gebt acht Leute, im Programm steht: „Sämtliche Untertanen werden von freien Stücken reinlich gekleidet, wohlgenährt, und mit zufriedenen Gesichtern sich längs der Landstraße aufstellen. Macht uns keine Schande!“


Und da sich unsere 1000 Bürger nach dem, was man so hört, aus freien Stücken, ganz ordentlich betragen haben (schließlich sind davon ein Viertel Bundeswehrler, die können das natürlich aus dem habitualisierten ff), dürfen sie sich vielleicht – um eine weitere Analogie zu Büchners Stück zu strapazieren – beim morgigen Grillfest so vor den nun mal notwendigen Absperrungen postieren lassen, dass sie etwas von dem Duft des präsidialen Schweinebratens wittern können.

Wobei getrost bezweifelt werden darf, ob sie das wirklich könnten.

Bussi,
Karlstadt

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