Man kann schon seit geraumer Zeit die medialen Kriegstrommeln hören, mit der die Medien auf einen wohl bevorstehenden Kriegseinsatz gegen den Iran vorbereiten, indem dessen Präsident Ahmadinedschad (der mit Sicherheit kein Sympathieträger ist, aber das ist etwas anderes) in der bewährten Propagandatechnik zu einem sich dem ‚westlichen‘ Bewusstsein leicht eindrückbaren repräsentativen Feindbild geformt wird. Das reicht unter anderem von der falschen Übersetzung von Zitaten („Israel von der Landkarte wegwischen“) bis hin zu dem massenmedial verbreiteten und mehr als zweifelhaften Ehrentitel „Hitlers des 21. Jahrhunderts“, wodurch historisch gesehen eine militärische Lösung geradezu zwingend impliziert wird („Hätte man damals früher etwas unternommen…“ etc.)

Kein Wunder tut es da, dass auch der aktuelle Nahost-Konflikt dazu genutzt wird, den Iran als ursächlichen Verursacher allen Übels zu deklarieren.
Besonders hervorgetan hat sich dabei jüngst, wie meist in solchen Angelegenheiten, der zuverlässig einseitige und vereinfachende Josef Joffe von der renommierten Zeit:

Aber die Sache geht weit über den klassischen Konflikt hinaus, und das macht sie so gefährlich. Unter iranischer Regie sind verschiedene Handlungsfäden in einer einzigen Krise vereint worden. Beginnen wir mit Teheran, das sich neuerdings wegen seiner Atomrüstung, die seine regionale Vorherrschaft befördern soll, dem gemeinsamen Druck Amerikas und Europas ausgesetzt sieht, sich aber nicht mehr auf Russland und China verlassen kann. Was lag da näher, als Hamas und Hisbollah zu mobilisieren, um Israel in die Falle eines Krieges zu locken. Fazit: Der Druck auf das Atomprogramm schwindet, die Nachgiebigkeit wächst, auf dass Iran seine Helfer wieder an die Leine lege. Das Signal: »Ihr braucht uns? Was wollt ihr zahlen?«
Bloß lässt sich die »internationale Gemeinschaft« nicht wegschließen. Die hat sehr wohl erkannt, dass Iran eine »feindliche Übernahme« des Nahost-Konflikts inszeniert hat.

Diese lupenreinen Verschwörungstheorie – die er in wahrhaft hellsichtiger Art und Weise auch noch der personifizierten Weltgemeinschaft in den Denkapparat gelegt hat – hat Joffe jetzt in einem weiteren Artikel in leicht veränderter Form wiederholt. Wieder weiß er mal wieder genau, was andere wissen, und er vergisst auch sorgfaltspflichtig nicht, noch den anderen bösartigen Achsenpunkt, Syrien, mit einzubeziehen:

Warum dieser »Verrat« an der islamischen Sache? Weil die Potentaten blitzschnell erkannt hatten, wes Lied Hisbollah sang. Sie wissen sehr wohl, dass es nicht um Israel geht, sondern um den Erzfeind Iran. Sie wissen, dass es sich kurzfristig um ein Ablenkungsmanöver handelte, das westlichen Druck (erstmals ziehen EU und USA am selben Strang) von der iranischen Atomrüstung nehmen sollte. Längerfristig ging es um eine Achse Teheran–Damaskus–Hisbollah, die erstmalig seit dem Sieg der Araber über die persischen Sassaniden im 7. Jahrhundert den Einfluss Irans bis in die Levante ausdehnen möge. Gegen diesen Machtanspruch wirkt das »zionistische Gebilde« wie ein lästiger Zwerg.

Ja, genau. Und immer gut, wenn man sich wiederholt; auf dass der geneigte Leser im Laufe der Zeit nicht das Wesentliche vergisst. Ganz nach dem ironischen Lehrsatz, den Kleist schon lange vor der Zeit in seinem „Lehrbuch der französischen Journalistik“ formuliert hat:

Was man dem Volk dreimal sagt, hält das Volk für wahr.

Und das drittemal folgt in Bälde, wetten?

Grüße,
Karlstadt

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