Am letzten Dienstag habe ich seit längerer Zeit mal wieder das öffentlich-rechtliche Wirtschaftsmagazin plusminus geschaut, in dem ein ‚bemerkenswerter‘ Beitrag über die segensreiche Wirkung der Arbeitsmarktreformen in Irland gezeigt wurde.
plusminus legte dar, wie Irland durch Flexibilisierung und Deregulierung zur Vorzeigewirtschaft Europas geworden ist. Das ganze natürlich kontrastiert mit der überbürokratisierten deutschen Wirtschaft.
Der Beitrag war so einseitig und trivial gemacht (Interview mit Irländern, die überschwänglich die flexiblen Strukturen lobten und dann über ihre leidvollen Erfahrungen in Deutschland berichteten), dass man hätte meinen können, es handle sich hierbei um eine Verkaufsshow bei QVC.

Was gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt ist, wie Wolfgang Lieb von den NAchDenkSeiten zeigt. Die beiden Autorinnen des Beitrags sind nämlich Inhaberinnnen von Medienunternehmen, die sich u. a. mit der Produktion von Imagevideos für Unternehmen verdingen. Kurz gesagt: Es handelt sich um ein PR-Video, das als unabhängiger Bericht gelabelt wurde.

Kein Einzelfall, sondern strukturelle Korruptheit eines Medienssystems, das mittlerweile eng mit der Wirtschaft verbunden ist. Eben durch diese Koppelung wird es neoliberalen Gruppierungen möglich, strategisch das symbolische Kapital der öffentlich-rechtlichen ‚Neutralität‘ zu nutzen, um relativ unbemerkt auf das Bürgerbewusstsein einzuwirken und Akzeptanz für ihre Ideologie zu schaffen.

Diese Strategie lässt sich nur dadurch vereiteln, dass man sich eine verschwörungtheoretische Haltung angewöhnt, will heißen, dass man sich prinzipiell über die Hintergründe und halbsichtbaren strukturellen Verflechtungen informiert, wie sie etwa in dem geschilderten Fall zum Vorschein kommen.
Was man zum Beispiel auf sehr kompetente Weise auf den NachDenkSeiten tun kann, deren Lektüre ich abschließend nachdrücklich empfehlen möchte.

Grüße,
Karlstadt

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