Business as usual: Auf die gefundenen Kofferbomben in Dortmund und Koblenz folgen die üblichen Verbalautomatismen, die im Namen der geschätzten Sicherheit mehr Überwachung fordern:

Auch der CSU-Innenexperte Stephan Mayer sprach sich in der «Passauer Neuen Presse» für Videoüberwachungen in Zügen aus. «Was in Madrid und London geschehen ist, kann auch in München oder Berlin passieren», sagte er der Zeitung unter Hinweis auf die Terroranschläge in den beiden europäischen Metropolen (Dazugehöriger Artikel).

Eine klare und nachvollziehbare Erkenntnis: Gestern da und heute hier. England eignet sich sicherlich besonders als Referenz, das Deutschland überwachungstechnisch (noch) weit voraus ist, und wo der Einsatz von allgegenwärtigen Überwachungskameras – eben auch in Zügen – Alltag ist.
Von einer anderen naheliegenden Erkenntnis, wurde der Herr Innenexperte nicht erfasst: Nämlich dass trotz umfangreicher Überwachung und Bahnkameras die Londoner Anschläge nicht verhindert werden konnten. Was zeigt, dass die häufig propagierte Vorstellung absoluter Sicherheit durch absolute Überwachung Fiktion und Ideologie ist, wie auch viele andere Beispiele zeigen. Wie sich bisher gezeigt hat, führt eine Überwachungsstruktur im Stile der CCTV-Invasion in England oder der Homeland-Security-Akte eher zu einer nachhaltigen Entdemokratisierung als zu einer Verhinderung von Anschlägen.

Deutschland ist im Vergleich dazu zwar, wie gesagt, noch nicht ganz konkurrenzfähig, aber auf einem ‚guten‘ Weg, was ich auf diesen Seiten schon an anderer Stelle dargelegt habe. Wenn die Akzeptanz oder besser Gleichgültigkeit gegenüber dem zunehmenden Einsatz von Überwachungstechnologie (die sich nicht nur auf Ü-Kameras beschränkt) anhält, dann werden wir wohl auch bald ähnlich hübsche Plakate bei uns bewundern können:

Grüße,
Karlstadt

Advertisements