Mit der mutmaßlichen Aufdeckung der geplanten Flugzeugattacken schlägt wieder mal die große Stunde der medialen Aufmerksamkeitsjäger und Panikmacher. Da wird aufgrund fehlender Tiefeninformation der offiziell vorgegebene „Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß“ in einer medialen Endlosschleife als vorgestelltes Drama gespielt. Der Hang zum Theatralischen findet sich – man ist es gewohnt – metaphorisch beim ehemaligen Nachrichtenmagazin, welches das Drehbuch der Tat schon gelesen hat, obwohl es von offizieller Seite überhaupt noch nicht geschrieben worden ist. Und natürlich melden sich auch reflexhaft-zuverlässig die notorischen Anti-Terror-Datei-Die-Bundeswehr-muss-im-Inneren-eingesetzt-werden-Forderer zu Wort.


Da – wie seit dem 11. September gewohnt – Informationen nicht, beziehungweise nur spärlich von den offiziellen Behörden herausgegeben werden, lässt sich über den eigentlichen Sachverhalt im Grunde noch wenig sagen (was die Medien natürlich nicht daran hindert – und hindern wird – munter Verschwörungstheorien zu entwerfen). Die Art und Weise der Aufdeckung der „Verschwörung“ durch die britischen Sicherheitsbehörden und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen („Babymilch-Probe vor den Augen der Polizei“) lassen jedoch darauf schließen, dass das entstandene mediale Spektakel durchaus ‚gemacht‘ sein könnte. Es leuchtet mir nämlich so gar nicht ein, dass man die mutmaßlichen Täter mehrere Monate observiert haben will, um dann eine hollywoodeske ‚Last-Minute-Rescue‘ zu inszenieren.

Funktioniert hat’s auf jeden Fall, und wird den elitären Konfliktführern auf beiden Seiten des ebenfalls ‚gemachten‘ Kulturclashes genug Futter geben, um durch die Erzeugung einer Kombination von Hass und Angst und der damit herstellbaren politischen Verfügbarkeit der ‚Beherrschten‘ ihre fragwürdigen politischen Vorstellungen zu verwirklichen.
Belegt werden diese Ausführungen etwa durch Äußerungen des US-Justizminister Gonzales, der daran erinnert, dass „wir ein Land sind, das sich im Kriegszustand befindet“. Diese Denkfigur des „ständigen Krieges“ haben sich auch die meist im Gleichschritt mit der politischen Ideologie marschierenden etablierten Medien angeeignet.
Die Folge dieses (wenn man die eigentliche Defition dieses Begriffes zugrunde legt) „Pseudokriegs“ ist die permanente Aufrechterhaltung eines Ausnahmezustands, in dem selbstverständliche demokratische Prinzipien generell zur Disposition stehen und nach dessen Logik ständig in Frage gestellt werden können. Und der echte Kriege gegen das definierte Feindbild leichter und wahrscheinlicher macht, wie man schon am Beispiel des jüngsten Irakkriegs gesehen hat.

Ein Blick in die Foren der Internetseiten etablierter Printmedien zeigt jedenfalls, dass dieses mit Angst gepaarte Schwarz-Weiß-Feindbild in den meisten Köpfen angekommen ist (auf den islamischen Seiten wird es kaum anders sein). Ab und an scheint aber auch hier immer wieder mal der gesunde und autonome Menschenverstand durch, der einem davon abhält, vollständig an der Welt zu verzweifeln. Wie der von Jon Dickinson, den er einem BBC-Forum zur Verfügung stellt und der es verdient, hier noch einmal wiedergegeben zu werden:

Added: Friday, 11 August, 2006, 10:17 GMT 11:17 UK

I find this whole government and media frenzy deeply disturbing. Until we see proof that these men have done anything of grave significance all we are doing is fanning the flames of racial hatred and disturbing the equilibrium of the community. I grew up in the roads alongside where these men were arrested and remain sceptical about the charges.My Muslim work colleague has been spat at and abused twice already this morning, which is unacceptable. Some common sense is urgently required.

Jon Dickinson, High Wycombe

Einen Gruß von
Karlstadt

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