Während die politische Elite immer mehr über den gemeinen Bürger wissen will, ist umgekehrt die Transparenzwilligkeit bei jener – bedächtig ausgedrückt – nicht gerade stark ausgeprägt. Als deutsche Obrigkeit lässt man sich eben nicht gern in die Karten schauen, wie man beispielsweise schon seit einiger Zeit am belämmerten Rumgeiere um die geplante Offenlegung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten erkennen kann (die wohl, so sieht es momentan jedenfalls aus, einen schleichenden und unbemerkten Tod sterben wird).

Ein aktuellerer Fall: Die geplante „Transparenzinitiative“ der EU-Kommission:

Um endlich mehr Licht ins Dunkel der europäischen Finanzen zu bringen, präsentierte der EU-Kommissar Siim Kallas vor einigen Wochen einen löblichen Plan – die Transparenzinitiative. Die soll künftig unter anderem dafür sorgen, dass die Nutznießer von europäischen Subventionen beim Namen genannt werden dürfen. Die europäischen Bürger sollen endlich wissen, wie viele Zuckerfabriken und Rinderfarmen, welche Unternehmer oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit ihren Steuern finanziert werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern wie etwa Dänemark oder Großbritannien (in denen diese Transparenz schon freiwillig geleistet wird), lehnt die deutsche Regierung diesen Vorschlag grundsätzlich ab:

Die Ablehnung wird vom Herrn Bundesminister Glos mit fadenscheinigen Argumenten wie der so gerne verwendeten ‚Neidkeule‘ und dem Bürokratieaufwand (!) begründet, die der Autor des überraschend kritischen Zeit-Artikels als Scheinargumente entlarvt und zeigt, worum’s wirklich geht: Um Lobbyarbeit, mit denen Lobbystrukturen und damit zusammenhängende politische Entscheidungen verdeckt werden sollen.

Anhand solcher offenkundigen Verdummungs- und Verdunklungsbemühungen dürfte dem ’souveränen‘ Bürger zumindest seine Position etwas transparenter geworden sein. Er weiß wohl jetzt etwas mehr, dass er nichts weiß. Oder weniger philosphisch auf die hellsichtige Werbeindustrie zurückgreifend, die den Sachverhalt leicht abgewandelt imo noch treffender auf den Punkt bringt (wobei in ganz besonderem Maße die involvierte Agrarlobby zustimmen dürfte):

„Du darfst vielleicht alles essen, lieber Bürger, aber nicht alles wissen!“

Einen Gruß von
Karlstadt

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