Nachdem es lange gedauert hat, den starrköpfigen Libanon davon zu überzeugen, wie hinderlich das unzeitgemäße Festhalten an überkommenen Hoheitsrechten und wie unabdingbar „robuste Mandate“ für das Wohl aller sind, kann jetzt endlich stolz aus berufenem Munde verkündet werden:

Wir sind nicht mehr nur Zuschauer„, nein wir sind jetzt Mitstreiter im von George Bush jüngst erklärten ewigen Krieg gegen Terrorismus und für die Freiheit.

Die von der politischen Führung bejubelte „historische Mission“, von den Medien bereitwillig aufgesogen, stellt tatsächlich einen bedeutenden Schritt in der seit Jahren betriebenen Militarisierung der BRD dar, die sich durch die von der Regierung Schröder offensiv betriebene „Enttabuisierung des Militärischen“ ihren Weg gebahnt hat und, wie Jürgen Rose treffend bemerkt, strategisch mit der populären Formel der „Normalisierung der deutschen Außenpolitik“ diskursiv untermauert worden ist.
Mittlerweile gehört es bekanntlich zur Normalität, dass unsere „Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird.“ Oder genauer gesagt, auch noch im Kosovo, dem Sudan und jetzt eben auch noch – etwas robuster als bisher – im sehr nahen Osten. Potential nach oben vorhanden, versteht sich.

Generell legitimiert und verkauft wird die faktische Umfunktionierung der Bundeswehr in eine internationale Interventionsarmee mit dem alleinigen Ziel der altruistischen Friedens- und Freiheitsförderungen. Diese Deutung, man braucht sich nur die aktuellen entsprechenden Artikel anzusehen, wird auch von den etablierten Medien unkritisch transportiert und übernommen, wodurch sich die strukturelle ideologische Komplizenschaft mit dem politischen Machtfeld zeigt, das sie eigentlich kontrollieren sollen.

Ideologisch deshalb, weil ein Blick hinter die rhetorischen Kulissen des mediopolitischen Theaters die Gründe der forcierten Militärabenteuer deutlich weniger altruistisch (was bei Menschen und den Gesellschaften, die sie bilden, selten der Fall ist) und deutlich komplexer erscheinen lässt, als sie von den maßgeblichen politischen und medialen Institutionen gepriesen werden.
Statt Freiheit und Frieden zu missionieren, stehen bei den Einsätzen strategisch nämlich vielmehr wirtschaftliche (Ressourcensicherung) und geopolitische Interessen im Vordergrund, wobei wie heutzutage üblich auch im Hintergrund agierende Denkfabriken wie Bertelsmann und co. kräftig mitmischen.

Allerdings ist einzuräumen, dass mit einer weiteren Anpassung des Verteidigungsbegriffes in naher Zukunft die offene vertretene militärische Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen durchaus hofffähig werden könnte, wie jedenfalls eine in den Medien eher weniger beachtete Rede von Herrn Steinmeier auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres nahelegt:

„Die Endlichkeit fossiler Energieressourcen lässt befürchten, dass Probleme im Zugang zu erschwinglicher Energie immer häufiger auch Quelle von Auseinandersetzungen werden“, so Steinmeier. „Für mich ist deshalb klar: Globale Sicherheit im 21. Jahrhundert wird untrennbar auch mit Energiesicherheit verbunden sein“, so der Außenminister. „Und die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik, das verstehen Sie, muss sich dieser strategischen Herausforderung stellen. Wir sind ein rohstoffarmes Land.“ (Quelle)

Einen nichtverstehenden Gruß von
Karlstadt

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