Die aus der sogenannten „Exzellenzinititative“ resultierende Kür der Elite-Unis dokumentiert einmal mehr, wie tief neoliberale Denkschemata in zu alle gesellschaftlichen Bereiche und Strukturen eingedrungen sind.
Die Ernennung von Elite-Unis ist eine weitere erfolgreiche Etappe hin zu einer konsequenten Umwandlung des öffentlichen Bildungswesens in einen nach marktwirtschaftlichen Prinzipien geregelten „Bildungsbetrieb“.
Wie sehr dieses Prinzipien auch in das Medienssystem eingedrungen ist, zeigen die euphorischen medialen Begeisterungsrufe, die unmittelbar auf die Bekanntgabe der Entscheidung folgten. Wobei sich, man konnte es nicht anders erwarten, der Spiegel wie ein die übrige mediale Landschaft überragender neoliberaler Leuchtturm hervortut.

Zur Illustration hier eine kurze Betrachtung eines SPON-Artikels von Jan Friedmann, der durchaus auch ohne Probleme auf den Internet-Seiten der Bertelsmann-Denkfabrik seinen Platz finden könnte:

Schon die Einleitung zum Artikel macht deutlich, wessen Geistes Kind hier denkt:

Doch der wahre Sieger ist das Hochschulsystem. Leistung lohnt sich und wird belohnt, das ist das entscheidende Signal der Exzellenzinitiative.

Der Autor gibt also die immergleichen stereotypen Wendungen und Verbalautomatismen von sich, mit denen die Notwendigkeit von „marktwirtschaftlichen“ Reformen bekräftigt werden und die mittlerweile zur politischen Alltagsrhetorik geworden sind (nahezu wörtlich identische Formulierungen zum Beispiel hier oder hier oder hier…)

Nach diesem grundlegenden Glaubensbekenntnis macht der Autor klar, dass das Heil der universitären Leistungsfähigkeit nur durch ein Elite-Konzept erreichbar ist, das den alten „Irrglauben“ , dem die überkommene politische Bildungsidee einer Förderung der ‚Breite‘ zugrundeliegt, ablösen muss:

Es ist die Abkehr von dem Irrglauben, dass Hochschulen wie Sparkassen-Filialen an allen Orten dasselbe Leistungsangebot bereithalten sollen, und das möglichst auf einem einheitlichen Niveau.
Dieser Gleichschritt, in den die Hochschulpolitiker mit der Bildungsexpansion in den siebziger Jahren verfielen, lähmte lange Jahre die Bildungsanstalten, führte zu Muff und Gleichgültigkeit gegenüber den Studenten.

Gleichschritt und Gleichheit schafft also Gleichgültigkeit und Muff. Wiie sehr der Autor diesem ökonomischen Elitegedanken „verfallen“ ist, wird im folgenden Zitat noch deutlicher:

Andere Länder wie die USA oder Großbritannien haben es geschafft, ihre Spitzenhochschulen so stark in den Mittelpunkt der Wahrnehmung zu stellen, dass alle nur von Harvard, Yale, Princeton, Oxford und Cambridge sprechen – und niemand mehr von der Masse der Universitäten.

Man spürt bei diesen Zeilen fast schon die Verachtung für die geschwätzige „Masse“ und den demokratischen Gleichhheitsgedanken. Ein derart von dem ökonomischen Elitegedanken durchdrungenes Bewusstsein lässt natürlich auch keinen Raum für die Frage nach ‚demokratischer‘ Bildung und gleichen Bildungschancen. Letzendlich zählt nur das Primat des Ökonomischen, was sich in den von Friedmann verwendeten Begriffen wie „Hochleistungsunis“, „globaber Wettbewerb“, „Hochschulmarken“ deutlich dokumentiert und was er auch selbst bejahend erkennt:

Bildung ist längst ein weltweiter Markt geworden, alleine die US-Hochschulen setzen pro Jahr Milliardenbeträge um. Deutschland hat gute Chancen im globalen Bildungswettbewerb – wenn es bereit ist, ihn anzunehmen.

Wiederum Glaubenssätze, wie sie auch die Bertelsmänner nicht vorbildlicher hätten hervorbringen können. Eine Konzeption der Universität als betriebwirtschaftliches Unternehmen also, das Umsätze zu erwirtschaften hat, dessen Funktionsweise durch das alles dominierende Prinzip des Wettbewerbs und der Konkurrenz bestimmt ist. Die Universität als Stätte des Denkens und des Konsenses existiert in einem derartigen Denksystem nicht einmal im Ansatz.

Man kann sich sicher sein, dass diese Umgestaltung der Institution Universität in eine Corporation (eine Beobachtung, die sich mühelos auf all die Transformationen in anderen Gesellschaftsbereichen übertragen lässt) Schritt für Schritt weitergehen wird und dass die „Propheten des neuen neoliberalen Evangeliums“ (Pierre Bourdieu), zu denen offenkundig auch Herr Friedmann und der Spiegel gehören, die dafür notwendigen Denkkategorien liefern und medial einhämmern werden.
Deshalb reicht es nicht aus, einfach nur bestimmte Themen und Inhalte zu kritisieren, wodurch man sich ungewollt den Prämissen dieser ‚fabrizierten‘ Denkkategorien unterwirft (wie z. B. die Akzeptanz der Anpassung an die angeblich durch die „Globalisierung“ erzwungenen Notwendigkeiten). Ein echter und wirkungsvoller Widerstand gegen diese „Wirklichkeit“ schaffenden Denkmuster, kann nur dadurch erreicht werden, dass man deren symbolische Gewalt zerstört, indem man die an Interessen gebundenen ideologischen Strukturen aufdeckt, die ihnen innewohnen.

Einen Gruß von
Karlstadt

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