Die Republikaner drücken angesichts der drohenden Wahlniederlage bei den anstehenden Kongresswahlen mal wieder den „Fear-Button“. Auf ihrer Homepage haben sie jetzt ein Propaganda-Video mit dem Titel „These Are The Stakes“ veröffentlicht (der Spiegel zieht die Bezeichnung „Werbespot“ vor), das sich inhaltlich und formal durchaus mit den medial geächteten ‚“Terrorvideos“ der Al-Quaida messen kann.

Das Video montiert im MTV-Stil die Gesichter altgedienter Bösewichter, wie etwa OBL und al-Sawahiri, die mit Textzitaten versehen sind, die beispielsweise einen noch gigantischeren Anschlag als 911 ankündigen. Zusätzlich sind – abgedunkelt und in Schwarz-Weiß – im Hintergrund Bilder kämpfender ‚Dschihadisten‘ zu sehen. Akustisch untermalt wird das Ganze von einem intensiver werdenden Ticken einer Bombe, die gegen Ende des ‚Spots‘ explodiert. Damit der Rezipient auch weiß, dass er davor Angst haben muss, ist schließlich noch ein pochendes Herz zu hören.

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Der beängstigendste Aspekt dieses Videos ist dessen unmittelbar ins Auge springende Plumpheit. Waren in den bisherigen ‚Produktion‘ von Terrorangst zumindest Spurenelemente einer Argumentation zu erkennen, so zielt dieses Machwerk nur noch auf das verlängerte Rückenmark ab. Allein die Tatsache, dass ein solches Produkt überhaupt erscheinen kann (wenn man sich die Pressereaktionen z. B. der Times oder der Washington Post anschaut, dann scheint man ihm keine große Beachtung zu schenken), ist daher ein äußerst bedenklicher Beleg für die geistige Verfassung, die sich in den USA fünf Jahre nach 911 großteils etabliert hat.

Mitleid mit den sich laut Spiegel brav empörenden ‚Demokraten‘ muss man übrigens nicht unbedingt haben. Haben diese doch die Ermächtigungsgesetze, mit denen die Bush-Regierung demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt hat, teils mitgetragen, teils passiv erduldet.
Ein wirklicher Widerstand (Einzelfälle ausgenommen) gegen diese für die US-amerikanische Geschichte nahezu beispiellose Entdemokratisierung hat jedenfalls nicht stattgefunden. Statt dessen hat man sich z.B. lieber im Verein mit den großen Medien an der populistisch wirksamen Foley-Sexaffäre ausgelassen (also ganz im Stile der Republikaner, wenn man an die Lewinsky-Affäre denkt).

Einen Gruß von
Karlstadt

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