Man hat eigentlich geradezu darauf gewartet: Passend zur Vorweihnachtszeit ist einmal mehr die Al-Quaidische Terrorismusgefahr vom britischen MI-5 aus den geheimdienstlichen Katakomben in die mediale Öffentlichkeit gehievt worden.

Diese häufiger werdenden PR-Aktionen des Geheimdienstes machen deutlich, dass Geheimdienste eine immer wichtigere Funktion einnehmen, wenn es um die mediale Produktion von Terrorgefahr geht. Früher eher im Stillen tätig, sind sie mittlerweile richtig geschwätzig geworden, um im engen Verbund mit Politik und Medien fleißig an der Angst vor dem Terror zu arbeiten.

Man denke nur an die spektakuläre Verhinderung der vorgestellten Anschläge in London im August diesen Jahres, die als dramatische Last-Minute-Rescue mit Babymilchanalysen etc. choreographiert wurde und deren ’schreckliches Ausmaß‘ anschließend mit der Wiederholung der immergleichen Katastrophen-Phrasen wie etwa dem „Massenmord in unvorstellbarer Dimension“ (eine Formel ,die ja gerade nichts anderes zum Ziel hat, als ihn vorstellbar zu machen) medial eingehämmert wurde.
Auch die neusten Enthüllungen weisen eine klare medienwirksame und paranoide narrative Struktur auf, worauf allein schon die handliche Arithmetik hinweist, mit der man die Gefahr rezipientenfreundlich materialisiert: So hat man herausgefunden, dass sich 1600 runde Terroristen in 200 runden Terrorzellen organisieren, die 30 runde Terroranschläge durchführen, wobei man natürlich nicht vergisst, auf die vielen unentdeckten Anschlagspläne hinzuweisen (Hier findet der Begriff „Verschwörungstheorie“ im wörtlichen Sinne in der Tat seine Berechtigung). Und natürlich artikuliert man auch die entsprechenden Horrorszenarien „mit massenhaft Opfern“ (so viele, die kann man dann doch beim besten Willen nicht im Voraus berechnen), die von biologischen Angriffen bis zur terroristischen Nuklearattacke reichen.

Jede Menge also, was da auf den Plan gehoben wurde. Deshalb auch wenig verwunderlich, dass sich der Geheimdienst da durch einen gewachsenen Arbeitsaufwand geplagt sieht, wie die Inlands-Geheimdienstchefin „enthüllt“:

In ihrer dritten Rede seit dem Londoner U-Bahn Anschlag von 2005 enthüllte Manningham-Buller, die Arbeitslast der britischen Terrorfahnder sei seit Anfang des Jahres um 80 Prozent gestiegen.

Ich bin mir ja nicht ganz sicher, aber möglicherweise liegt das vor allem daran, dass es wesentlich weniger aufwändig ist, Terror tatsächlich zu verhindern, als die Angst vor ihm im Bewusstsein der Bevölkerung zu fabrizieren.

Einen Gruß von
Karlstadt

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