Bei der medialen Aufbereitung des Amoklaufs des Sebastian B. werkeln Gesellschaftsexperten und Journalisten gerade an den Ursachen und Motiven für die Tat. Und wie nach Erfurt finden viele diese weniger in den gesellschaftlichen Verhältnissen als vielmehr in den virtuellen Gewaltspielen, die als Inspirationsquelle für Amokläufe dieser Form dienten. Man kommt zu dem bewährten Schluss: Virtuelles Totmachen verführt zu echtem Totmachen.

Bevor Politik und Medien jetzt wieder konkrete Verbotsmaßnahmen fordern (sie werden es tun), sollten sie sich vielleicht zunächst einer anderen Inspirationsquelle widmen, an der sich Sebastian B. orientiert hat, wie ein Bekannter B.s gegenüber dem Spiegel einräumt: B. träumte von einer Karriere bei der Bundeswehr. „Das fand er cool, mit Uniform oder Kampfanzug in die Schlacht zu ziehen. Er hat ja auch privat gern einen Tarnanzug angezogen, hat ja auch niemanden gestört“.

Ja, wenn man sich das wesentlich materiellere Treiben bei der Bundeswehr zu Gemüte führt, dann ist Counterstrike zocken wohl nicht viel mehr als Trockenschwimmen. Dank der Umwandlung des verteidigenden „Bürgers in Uniform“ in einen „Interventionskrieger“ (was übrigens auch kaum jemanden zu stören scheint) lernt man dort auch endlich wieder, wie man richtig totmacht. Ganz sicher. Man braucht sich da ja nur das aktuelle Spiegel-Cover anzuschauen.

Einen Gruß von
Karlstadt

Nachtrag: Hier ein Link, der den Wortlaut des Abschiedsbriefs von Sebastian B. wiedergibt (der ursprünglich auf seiner Website zu finden war, die man ziemlich rasch vom Netz genommen hat).

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