Eine Politik der verdunkelten Zimmer ist verdächtig. Geheime Treffen von Politiker, Wirtschaftsmagnaten, Journalisten, Verlegern, Adeligen und Akademiker werfen Fragen auf.
Die so genannten Bilderberg-Meetings, bei denen sich seit über 50 Jahren gut 120 Funktionsträger aus den wichtigsten gesellschaftlichen Teilbereichen der westlichen Demokratien treffen, um für drei Tage im Verborgenen zu konferieren, sind ein Phänomen, dem zwar im Internet große Beachtung geschenkt wird, das aber von den so genannten Mainstream-Medien oder von den Sozialwissenschaften sträflich vernachlässigt wird. Und das, obwohl sich bei der Auseinandersetzung mit den Bilderberg-Konferenzen einiges über den Zustand der so genannten westlichen Demokratien sagen ließe.

Die Bilderberg-Konferenzen sind ein gutes Beispiel für die Auslagerung von politischer Macht aus den dafür vorgesehene demokratischen Institutionen (z.B. Parlamente) in von der Öffentlichkeit unbemerkt operierenden interessengeleitete Eliten-Zirkel. Bei der Auseinandersetzung mit den Bilderbergern lässt sich feststellen, dass demokratisch gewählte Volksvertreter allzu bereitwillig demokratische Wege verlassen, um sich im Dunstkreis eines politischen Wirkens zu betätigen, das man durchaus als zutiefst anti-demokratisch bezeichnen kann.
Die geheime Ausrichtung der Konferenzen und die Zusammensetzung der Teilnehmer
lassen erkennen, dass wir es in den westlichen Demokratien mit einer zunehmenden negativen elitären Beeinflussung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse zu tun haben. Der Verdacht liegt nahe, dass der eigentliche politische Formierungsprozess in Zirkeln wie z.B. der Bilderberg-Group vollzogen wird.
Da an den Bilderberg-Konferenzen nur Personen teilnehmen, die über ein hohes Maß an ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital verfügen, liegt es auf der Hand, dass ganze Bevölkerungsschichten aus dem ursprünglichen politischen Ideenprozessen komplett ausgeklammert werden. Hinzu kommt, dass die Bündelung der verschiedenen Kapitalarten der Teilnehmer, wie sie bei solchen Treffen vollzogen wird, mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Potenzierung des Handlungsspielraumes der Gesamtgruppe führt.

Doch was geschieht bei den Konferenzen? Entsprechen Meinungen, wie sie immer wieder im Internet geäußert werden, wonach die Bilderberger eine Art geheime Weltregierung sind mit dem Ziel, eine Weltdiktatur zu errichten, der Wahrheit?
Nach Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von zugänglichen Informationen, scheinen bei den Bilderberg-Konferenzen tatsächlich keine direkten Beschlüsse gefasst zu werden noch irgendwelche Anweisungen von einem ‚Oberverschwörer’ an die Teilnehmer/Mitglieder weitergeben zu werden. Bei den Meetings handelt es sich anscheinend tatsächlich ‚nur’ um eine Konferenz von hochrangigen Personen, wie sie auch bei einem G8-Gipfel ablaufen könnte. Es werden Referate gehalten, es wird diskutiert und am Rande werden Gespräche geführt. Dennoch darf diese Erkenntnis nicht zu einer Verharmlosung der Treffen führen, denn die bereits erwähnte Akkumulation von Macht, die innerhalb einer Gruppierung wie Bilderberg zwangsläufig stattfindet, kann je nach Einsatz zu einer (nur schwer erkennbaren) Aushebelung oder Schwächung der jeweiligen nationalen Politik führen.
Bei den Bilderberg-Konferenzen geht es darum, Konsense zu erreichen. Nicht durch Abstimmungen, sonder eben durch Überzeugung. Eines der Probleme hierbei ist, dass die Konsense, die bei den Konferenzen entstehen, von der Ideologie des Neoliberalismus geprägt sind. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Konsense auch die bewussten oder unbewussten Interessenlagen einer bestimmten Schicht widerspiegeln.
Es kann attestiert werden, dass bei den Meetings auf subtile Art ein Meinungs- und Anschauungskonglomerat bezüglich bestimmter weltpolitischer und gesellschaftspolitischer Themen entsteht, das für breite Teile der Bevölkerung der unterschiedlichen Länder destruktiv ist. Das darüber hinaus Verbindlichkeiten unter den Teilnehmern entstehen, ist ebenfalls anzunehmen.
Neben der Bilderberg-Group gibt es noch eine Vielzahl ähnlicher (und auch durchaus konkurrierender) Eliten-Zirkel, wobei der Verdacht eines regelrechten Netzwerks durch die Überlappung einzelner Mitglieder mit anderen Zirkeln erhoben werden kann. Die Existenz entsprechender Seilschaften hinter der Bühne der Weltpolitik mit all ihren negativen Begleiterscheinungen ist mehr als wahrscheinlich.

Dass die hier nur schemenhaft skizzierte Problemlage nicht einzig durch zwielichtige Elemente in der herrschenden Klasse entstanden ist, liegt auf der Hand. It always takes two to tango. Die Problemlage zeigt, dass die Medien einmal mehr ihrer Aufgabe als Wächter der Demokratie zu fungieren nicht nachkommen …

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