Am Sonntagabend strahlte BBC2 eine Dokumentation zum Thema ‚Verschwörungstheorien’ und der 11. September aus. Wenig Licht und viel Schatten lagen dabei dicht beieinander.

Bereits im Vorfeld spekulierten einige der Protagonisten des 9/11 Truth Movement über die Seriosität der Dokumentation (z. B. hier und hier )

Die Frage, die im Raum stand, lautete etwa: Wird die BBC sich sachlich und dezidiert mit den Argumenten aus dem 9/11-Truth-Movement auseinandersetzen oder aber, mit ‚Propagandamitteln‘ die Erkenntnisse der 9/11-Skeptiker zu verunglimpfen versuchen?
Nach und nach wurden die Spekulationen lauter, dass die Dokumentation eher von der letzten Möglichkeit Gebrauch machen würde. Sonntagabends war es dann soweit: Gut eine Stunde widmete sich BBC2 der Widerlegung von 10 Verschwörungstheorien zu 9/11.

Einen Tag später lieferten sich Alex Jones , Paul Watson und Dylan Avery aus dem 9/11 Truth Movement eine harte Diskussion mit dem Macher der Doku, Guy Smith, im Radio.
Deutlich wurde dabei: Der Kampf um die Meinungshoheit, der Kampf um die Durchsetzung von Wirklichkeitskonstruktionen, der Kampf um Auslegung und Interpretation von Ereignissen und Geschehnissen ist ein schwieriger Kampf, der mit harten Bandagen geführt wird.
Sein Ziel sei es gewesen, sich dem Thema Verschwörungstheorien zum 11. September objektiv anzunehmen und zu schauen, in welche Richtung er dabei geführt werde, sagte Guy Smith in der Radiosendung von Alex Jones. Jones warf ihm das Gegenteil vor: einseitige Recherche und Manipulation. Personen mit Reputation, die der offiziellen Meinung widersprechen und entscheidende Aussagen gemacht haben, habe Smith nicht zu Wort kommen lassen. Außerdem habe die Doku immer wieder auf den Schmerz der Hinterbliebenen verwiesen, die sich durch die Äußerungen der 9/11 Skeptiker verletzt fühlten. Gleichzeitig seien aber die Hinterbliebenen, die ebenfalls an den Ereignissen zweifeln, nicht zur Stellungnahme gebeten worden.

In der Radiodiskussion kritisierte Jones insbesondere das Ignorieren von Operation Northwoods, die für die Behauptung eines Government Cover Ups als Beispiel grundlegend sei. Smith widersprach Jones und sagte, Operation Northwoods läge ja bereits 40 Jahre zurück und sei niemals durchgeführt worden. Smith fügte des Weiteren an, dass er ja nur eine Stunde Zeit zur Verfügung hatte und eben den Inhalt der Dokumentation habe auswählen müssen.

So einseitig die Dokumentation auch war, und bei aller Kritik an ihr: Sie offenbarte auch eine Schwachstelle auf Seiten der Verschwörungstheoretiker, die immer wieder auszumachen ist: schlampige Recherche. Im Lager der 9/11-Skeptiker heißt es, das Flugzeug UA93 sei abgeschossen worden. Teile des Flugszeugs habe man nämlich in einem See, der sich gut 8 Meilen entfernt von dem Absturzgebiet befindet, entdeckt. Wenn das Flugzeug nur abgestürzt sei, könnten Wrackteile ja nicht so weit entfernt gefunden werden. Das Team der Doku hat diese Behauptung überprüft und kam zu folgendem Schluss: Es sind 6.9 Meilen von dem Absturzgebiet bis zu dem See. Allerdings beträgt die Luftlinie nur 1 Meile. Die im See gefundenen Teile seien des Weiteren keine schweren Wrackteile, sondern Papier und ähnliches. Da der Wind in Richtung des See geweht habe, sei es keine Verwunderung, dass
man leichte Teile dort gefunden habe.

Es kann an dieser Stelle kein Urteil darüber gefällt werden, welche Seite nun bezüglich der Vorkommnisse von U93 den tatsächlichen Ereignissen näher kommt.

Deutlich wurde durch die Doku aber noch einmal, dass es nicht genügt, Meldungen, auf die man stößt, ohne genaue Überprüfung als unhinterfragte ‚Wahrheit’ zu verbreiten. Gerade bei einem Thema wie 9/11 muss jede Behauptung und Vermutung, muss jeder Verdacht und jede Anschuldigung doppelt und dreifach abgesichert sein. Eine Recherche vor Ort, Gespräche mit Augenzeugen usw. sind grundlegend. Leider kommen einige der Protagonisten aus dem 9/11 Truth Movement dieser Verpflichtung nicht nach.

Allerdings gibt es auch eine ganz entscheidende Stelle in der Dokumentation, die deutlich aufzeigt, wie schwach die Denk- und Kritikfähigkeit der Dokumentationsmacher ist. Schon seit einigen Jahren wird immer wieder im Internet davon gesprochen, dass am 11. September 2001 eine groß angelegte militärische Übung in den USA stattgefunden hat, bei der die Luftfahrtbehörden das Vorgehen bei einer Entführung von mehreren Flugzeugen übten.
Die Dokumentation bestätigte dies durch Originalaufnahmen von Gesprächen der Bodenkontrolle. Dass dann eine so wichtige Information nur erwähnt wird, sie aber nicht zum Anlass genommen wird, diesen doch recht merkwürdigen ‚Zufall’ zu hinterfragen, ist nicht nachzuvollziehen.

Wahrscheinlich wird die Dokumentation in den nächsten Wochen auch im ZDF in Deutsch zu sehen sein.

Bud Spencer