März 2007


„Maybe it is time to start bombing Iran.“

Kriegerische Kommentare wie dieser finden sich zur Zeit viele in den Kommentarlisten von Artikeln, die sich mit der Gefangennahme 15 britischer Matrosen durch den Iran befassen.
Überblickt man die massenmediale Berichterstattung zu dem „Zwischenfall“, dann kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die Medien durchaus zu dieser sich breit machenden Kriegsstimmung beitragen. So wird der Vorfall nahezu unisono implizit oder explizit als iranische Aggression bewertet und mit journalistischer Gewissheit der Eindruck bestärkt (interessant ist auch der Vergleich der Kommentierung von Äußerungen offizieller britischer und iranischer Stellen, wie z. B.: „Die iranische Regierung behauptet“, „Nach Darstellung Londons waren…eindeutig“), dass sich die britischen Boote außerhalb iranischer Hoheitsgewässer bewegt haben – in den meisten Fällen, ohne dies durch geographische Angaben zu belegen, versteht sich.
Manche Kommentatoren, wie etwa der qualitätsjournalistische Wolfgang Koydl von der Süddeutschen gehen sogar so weit, den Vorfall faktenfrei als Akt der „Piraterie“ zu bezeichnen, und ihn so als quasi-terroristischen bzw. verbrecherischen Akt einzustufen. Darüber hinaus vergisst Herr Koydl auch nicht fast schon obligatorisch auf das „mörderische Regime“ und die Atomwaffengefahr hinzuweisen.

Resümierend ist festzuhalten, dass die mediale Aufbereitung des „Zwischenfalls“ ein weiteres geschichtswiederholendes Beispiel dafür ist, wie die etablierten Medien strukturell als „Überzeugungstäter“ fungieren, die durch unkritische bzw. einseitige Berichterstattung Akzeptanz für die Operationen eines geostrategischen Militarismus erzeugen – und damit die Voraussetzungen schaffen, den Vorschlag des anfangs zitierten Kommentators in die Realität umzusetzen.

Karlstadt

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Kleinkindliche Dickköpfigkeiten, Negierungen und sensationslüsterne Spekulationen sind keine guten Helfer, wenn es um die Aufklärung eines Verbrechens geht.

Seit einigen Jahren nun schon versuchen all jene, die in den Anschlägen des 11. Septembers 2001 eine groß angelegte Verschwörung von kriminellen Elementen innerhalb der US-amerikanischen Regierung sehen, die Wahrheit über die tatsächlichen Hintergründe zu erkunden und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine kaum noch zu beziffernde Menge an Personen, verstreut auf der ganzen Welt, hat mit mal mehr und mal weniger großer detektivischer Begabung eine beachtliche Menge an Merkwürdigkeiten, Unstimmigkeiten und Auffälligkeiten ans Licht gebracht, die alle darauf hin deuten, dass die Öffentlichkeit in Bezug auf die wahren Vorkommnisse vom 11. September systematisch betrogen wurde. Bei intensiver Auseinandersetzung mit diesen Erkenntnissen, stellt man fest, dass einige von ihnen hoch brisant und andere wiederum nicht den Mausklick wert sind, der sie auf dem PC zum Vorschein kommen lässt.

Der Personenkreis, der gesellschaftlich als Verschwörungstheoretiker bezeichnet wird und diese Recherchen bewerkstelligt, ist mindestens so heterogen, wie die Erkenntnisse, die er hervorbringt. Vom Schüler und Studenten, von der Hausfrau zum Arbeiter, vom Lehrer zum Professor und vom hochrangigen Militär bis zum hochrangigen Politiker reicht das Spektrum der 9-11-Zweifler.

Trotz eines beachtlichen Arbeitsaufwandes und trotz der Brisanz einiger der gewonnenen Erkenntnisse, muss festgestellt werden, dass das Resultat einer unmittelbar nach den Terroranschlägen begonnenen Wahrheitssuche unterm Strich wenig bewirkt hat. Immerhin sind sechs Jahre vergangen, sechs Jahre, in denen die offizielle Version der Ereignisse nach wie vor die Geschichtsschreibung dominiert wie ein Diktator sein Volk.

Bei aller Beachtlichkeit von Umfragen, die zwar angeben, dass weite Teile der Bevölkerung ebenfalls an der massenmedial verkündeten Theorie von der Täterschaft Bin Ladens und AlQuaida zweifeln, und bei allem Eifer, den bestimmte Akteure aus dem 9-11 Truth Movement an den Tag legen: Die Sachlage ist, dass durch alle wichtigen Institutionen der westlichen Demokratien hindurch der Glauben an die offizielle Version der Terroranschläge die Politik vorgibt. Weder Regierungen noch Parlamente, weder die Bildungseinrichtungen noch Massenmedien widersprechen dem 9-11 Dogma (oder bestenfalls hinter vorgehaltener Hand).

Der bis jetzt in Anspruch genommene Zeitrahmen mag zwar aufgrund der Konstellation und der Position der alternativen Aufklärer im Vergleich zu dem Wirkungs- und Machtspektrum der Massenmedien und der Politik einerseits gering sein, doch sechs Jahre sind andererseits auch eine verdammt lange Zeit. Eine Zeit, in denen zwei Kriege geführt wurden und ein Dritter auf Standby geschaltet ist.

Worin liegen die Ursachen, was sind die Gründe des mangelhaften Fortschritts?Unter anderem liegen die Ursachen bei den Verschwörungstheoretikern selbst. Analysiert man ihre Argumentationsweise, betrachtet man ihre Rhetorik und dekonstruiert man ihre Sichtweisen, dann ist festzustellen, dass ihre Rolle sehr ambivalent ist. Die Rolle der ‚Wahrheitssucher’, der ‚Richtigsteller’, der ‚Zurechtrücker’ beanspruchen sie, doch gerecht werden sie dieser Rolle bei weitem nicht immer. Sicherlich muss einigen von ihnen zu Gute gehalten werden, dass sie, was investigativen Journalismus und Kriminalitätsaufklärung angeht, nur laienhafte Ahnung haben.

Dennoch spricht es erstmal für ihr Verantwortungsbewusstsein als politisch mündige Menschen, sich auf eigene Faust mit beschränkten Mitteln aufzumachen und nach der Wahrheit zu suchen – und sei es auch nur mit Hilfe von Google. Das überhebliche Kritisieren ihrer Tätigkeit, wie es einige renommierte Medienpublikationen gemacht habe, ist in der geschehenen Weise deplaziert.

Dennoch darf auch nicht mit einem Augenzwinkern über die methodologischen Schwachstellen und die so hervorgebrachten Resultate hinweggesehen werden. Das 9-11 Truth Movement wirft den großen Medien schlampige Recherche und Unsachlichkeit vor. Das 9-11 Truth Movement spricht von einem blinden Fleck auf Seiten der Medien, wenn es um die Aufklärung der Verbrechen vom 11. September geht und von einer Ausblendung sinntragender Sachverhalte in diesem Zusammenhang. Die Publikationen der 9-11 Zweifler sind jedoch bedauernswerter Weise häufig selbst ein Spiegelbild dieser Vorwürfe. Mangelhafte Recherche, aus dem Kontext gerissene Zitate, abgeschriebene in sich falsche Behauptungen, nicht nachweisbare Aussagen, verdrehte Sachverhalte usw. prägen die Veröffentlichungen der Alternativdenker. Es mag noch verzeihlich sein, wenn ein 15-jähriger Schüler, der seinen gesunden Menschenverstand nutzt und das Gefühl nicht los wird, dass an der offiziellen Darstellung zum 11. September etwas zum Himmel stinkt, durch seine Laienhaftigkeit das kleine Einmaleins der Recherchearbeit missachtet, wenn aber gestandene und durchaus auch mit Reputation versehenen Persönlichkeiten aus der Szene die gleichen Fehler machen, sind die Konsequenzen für die Aufklärung des Verbrechens fatal.

Es kann nicht angehen, dass einerseits die alternativen Wahrheitssucher die Glaubwürdigkeit der Meldungen der Massenmedien in Gänze anzweifeln, dann aber genau die Meldungen, die scheinbar ihre verschwörungstheoretische Sicht stützen und von diesen Massenmedien berichtet werden, als unumstößlich ansehen. Es kann nicht angehen, dass behauptet wird, dass 7 der 19 Attentäter noch nach dem 11. September am Leben waren und sich dabei beispielsweise auf Meldungen der BBC berufen wird, ohne, dass man selbst diese Meldungen durch eine dezidierte journalistische Recherche überprüft – und zwar bei einer Behauptung mit solchem Ausmaß vor und zurück. Selbst bei allem Verständnis: Mit einer lapidaren Begründung für die mangelnde Recherche wie z.B, dass die finanziellen Möglichkeiten nicht ausgereicht hätten, ist es nicht getan. Das Ergebnis solcher journalistischen Schnellschüsse war eine Bloßstellung der gesamten Szene. Dabei ist die Frage nach den Identitäten der Attentäter ganz zentral.

Die mitunter unbefriedigende Vorgehensweise der Zweifler kann also als einer der Gründe für einen nicht erfolgten Durchbruch angegeben werden. Doch es gibt weitere Gründe.

Wie weiter oben angesprochen, ist das 9-11 Truth Movement bezüglich der Theorien und Ansichten sehr vielseitig. Ob nun über Sprengungen, Raketeneinschlägen. Fernsteuerungen, Abschüsse, War Games oder Börsenspekulationen berichtet wird, jede Theorie hat ihre Anhänger. Und genau hier wird eine neue Schwachstelle der Szene deutlich. In der Bibel heißt es schon: a house divided in itself shall not stand. Anders, aber nicht weniger bildlich formuliert: Zu viele Zutaten verkraftet kein Essen; es schmeckt nicht mehr.
Zwar ist die Heterogenität der verschwörungstheoretischen Ansätze durchaus nachvollziehbar. Denn zuerst galt es das Feld zu sichten, möglichst viele Informationen zu sammeln und zu bearbeiten. Dass aber es nach sechs Jahren nicht geschafft werden konnte, die Quintessenz aus den gewonnenen Erkenntnissen herauszufiltern, dass es nach sechs Jahren nicht erreicht wurde, die Kräfte zu bündeln und auf die schwächste Stelle der offiziellen Theorie zu richten, verdeutlicht einen weiteren Grund für das Nichterreichen des gesteckten Ziels: Uneinigkeit.

Darüber hinaus hat die Szene etliche strategische Fehler gemacht. Auf einen sei hier verwiesen. Von Anfang an war die Ausrichtung der Szene sozusagen kriegerisch. Es galt einen Infowar zu führen. Einen Informationskrieg gegen die Desinformation der Massenmedien. Dieses Paradigma war durchaus begründet, doch war es nicht sonderlich durchdacht. Keiner der beteiligten Akteure innerhalb des 9-11 Truth Movement, noch nicht mal alle zusammen genommen, haben die Ressourcen, die Fähigkeiten, die Infrastruktur u.ä., um die Terroranschläge vom 11. September vollständig, also institutionell und damit legitim, aufzuklären.

Die Aufklärung der Verbrechen kann nur über die Institutionen erfolgen. Das Handeln der Zweifler zeugt aber von einer Verkennung dieses Sachverhaltes. Anstatt zu versuchen, mit Mitteln der Diplomatie Bündnisse und Koalitionen mit den Institutionen zu schmieden, werden Grabenkämpfe und Scharmützel geführt, die nur zu einem Kraftverlust führen und in der Gewinn-Verlust-Rechnung das Soll verstärken.

Natürlich muss auch erwähnt werden, dass es immer wieder Versuche gab und gibt, diese Strategie zu verfolgen. Und besonders die Akteure aus dem massenmedialen Feld warteten auf dieses Unterfangen nicht gerade mit offenen Türen. Dennoch wurde diese Versuche nur halbherzig oder nicht strategisch und konsequent genug durchgeführt. Es gilt noch einmal darauf zu verweisen: Die Einbeziehung der Institutionen, insbesondere der kritisierten Massenmedien ist unabdingbar.

An dieser Stelle ist es sinnvoll, das Augenmerk auf einen weiteren Grund für das nicht rechte Vorankommen der Bewegung zu beleuchten, ein Grund, der nicht innerhalb des 9-11 Truth Movement zu suchen ist, sondern der bei den Massenmedien selbst liegt. Der Vorwurf der Verschwörungstheoretiker, die Massenmedien hätten zu tendenziell, einseitig und unkritisch berichtet, lässt sich nicht von der Hand weisen. Nach dem 11. September gab es in der Tat einen Medienblackout, wie es ihn in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben hat. Kaum ein Blatt, kaum ein Fernsehsender, kaum eine Radiostation berichtete insbesondere in den ersten beiden Jahren gegen die von der US-amerikanischen Auslegung der Ereignisse verbreiteten Meldungen. In den USA war diese mediale Gleichschaltung (eine Gleichschaltung, die nicht durch einen Diktator vorgegeben wurde, sondern, die sich durch eine Vielzahl latenter soziologischer, psychosozialer und psychologischer Motivationslagen zu begründen ist) am stärksten. Doch auch in Deutschland versagten die Medien kläglich, wenn es um eine eigenständige, kritische Reflexion und Hinterfragung ging.

Nicht nur, dass die Redaktionen in den Mainstreammedien allesamt auf der Bin-Laden-war-es-ohne-Zweifel-Schiene unterwegs waren und sind, sondern sie griffen auch noch die Erkenntnisse der Verschwörungstheoretiker von vorne herein mit unprofessionellem Verhalten auf, um diese bestenfalls der Lächerlichkeit preis zu geben, schlimmstenfalls in demagogischer Absicht zu verunglimpfen. Im Spiegel wurden die Zweifler mit den Holocaustleugnern auf eine Stufe gestellt, Hans Leyendecker, einer der renommiertesten deutschen Investigativ-Journalisten, bezeichnet die Zweifler so gar als Affen. Durch diese Form der Berichterstattung haben die Mainstreammedien die gegen sie erhobenen Vorwürfe mangelnder Objektivität mit Ansage und Trommelwirbel untermauert.

Auf einer grundsätzlicheren Ebene kann festgehalten werden, dass sowohl die Mainstreammedien als auch zahlreiche Verschwörungstheoretiker trotz der Tatsache, dass sie immer wieder den Wahrheitsanspruch ins Felde führen, konträr zu diesem Anspruch handeln. Es ist unübersehbar, dass in beiden Lager sehr häufig nichts anderes als die Kultivierung der eigenen Egoismen die Programmleitung übernommen hat. Das Handeln der Akteure von beiden Seiten dokumentiert eben nicht die ganz legitime Frage nach der Wahrheit, sondern es dokumentiert den latenten Wunsch die eigene Meinung als das Maß aller Dinge durchzusetzen.

Es ist schon interessant, wie die Journalisten des Nachrichtenmagazin Der Spiegel den Untersuchungsbericht der 9-11-Kommission als der Weisheit letzter Schluss anführen oder wie die Verlautbarungen der US-amerikanischen Regierung zu den Geschehnissen als unumstößlich angesehen werden. Nicht minder verwundernswert ist aber auch das Vorgehen vieler Verschwörungstheoretiker: Die Aussagen eines Augenzeugen, der behauptet er habe eine Art Rakete ins Pentagon fliegen sehen werden als wasserdichter Beweis für eine Verschwörung angesehen. Ein Bericht der BBC, in dem über den Einsturz von WTC7 berichtet wird, bevor es eingestürzt ist, wird als die endgültige Bescheinigung für einen Medienkomplott angeführt.

Diese Beispiele verdeutlichen einmal mehr einen Simplizismus, dem sowohl die etablierten Medien als auch alternative Journalisten in ihrer Arbeit Raum gewähren und der der Sache alles andere als dienlich ist. Insbesondere die Mainstreamjournalisten täten gut daran, zu akzeptieren, dass die Behauptung, Teile der US-amerikanischen Regierung seien selbst in die Attentate verwickelt, nicht grundsätzlich jeder Logik entbehrt. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist alles andere als verwegen einen Terrorismus, der von Staatswegen durchgeführt wird um bestimmte innen- oder außenpolitische Ziele durchzuführen, als realistisch zu betrachten.

Das Prinzip, dass hinter dieser Vermutung steht, ist auf einer sehr trivialen Ebene am besten zu verdeutlichen. Das Prinzip ist wahrscheinlich so alt, wie die Menschheit. So sieht es aus: A hat eine Abneigung gegen B und möchte ihm einen Schaden zufügen. Dies tut er auch und zeigt dabei mit dem Finger auf C. Zufällig kommt D vorbei, der ein guter Freund von A ist und B ebenfalls nicht mag. D bestätigt die Aussage von A und B glaubt nun, C ist schuldig.
Das Prinzip, dass sich hinter der Theorie des Staatsterrorismus befindet ist nichts anderes als ‚jemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben’. Und jeder dürfte damit schon mal aktiv oder passiv Erfahrungen gemacht haben. Zugegeben: Es ist durchaus noch ein weiter Weg von der Nicht-Ich-sondern-der-kleine-Bruder-war-es-Verhaltensweise zu den Ausmaßen eines Staatsterrorismus, wie er in Betracht gezogen wird. Doch es ist auch ein weiter Weg von der A-Jugend in die 1. Fußball Bundesliga. Das heißt: Nur weil etwas im Großen schwieriger umzusetzen erscheint als im Kleinen, bedeutet dies noch lange nicht, dass es nicht zu bewerkstelligen ist.
Die Liste der dokumentierten Fälle von Staatsterror ist umfangreich – Eine nähere Auseinandersetzung mit dem False Flag Terror findet sich hier. Die Journalisten aus dem Mainstream sollten sich unbedingt mit diesen Sachverhalten auseinandersetzen und erkennen, dass das Mittel des synthetischen Terrors von Staatswegen schon häufig verabreicht wurde.

Fazit

Als Gründe für die nicht Durchsetzung von dem 9-11 Truth Movement verfolgten Ziele wurden identifiziert:

a) Unbefriedigende/ schlampige Rechercheleistung/ journalistische Schnellschüsse von Seiten der Zweifler
b) Uneinigkeit in der Bewegung
c) Strategische Fehler/ unüberlegtes oder unausgewogenes Handeln
d) Egoistische Gründe
e) Ein Versagen der Massenmedien auf breiter Front

Will die Bewegung ernsthaft ihre Ziele verwirklichen, müssen alle involvierten Akteure die gemachten Fehler schnellsten beseitigen. Es dürfen keine Meldungen mehr verbreitet werden, die nicht hieb- und stichfest sind (und wenn doch spekuliert wird, muss dies auch kenntlich gemacht werden). Es gilt also ganz klar zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Beweisen und Indizien zu trennen.

Die Bewegung muss ihre Ziele nochmals überdenken und klar formulieren. Hierfür ist es unumgänglich, dass persönliche Egoismen abgelegt werden und die Uneinigkeit und Streitereien beigelegt werden.

Des Weiteren müssen die strategisch gemachten Fehler analysiert werden. Es gilt eine klare, präzise und wirkungsvolle Strategie aufzustellen, durch die die gemachten Fehler zukünftig vermieden werden. Das Einlassen auf Grabenkriege und Scharmützel bringt keinen Gewinn. Es sollten mit diplomatischen Mitteln, mit Vernunft und Sachlichkeit vorgegangen werden. Das schmieden von Bündnissen und Koalitionen sollte Vorrang haben.

Des Weiteren müssen sich die Akteure der Bewegung im Klaren darüber sein, dass die von ihnen hervorgebrachten Merkwürdigkeiten noch kein Beweis für die aufgestellten Behauptungen eines Cover-Ups sind. Es sind Indizien, von denen einige sehr beachtlich, andere wenigstens interessant und wieder andere nichts als heiße Luft sind.

Zum gegenwärtigen Stand der Dinge kann nur mit Sicherheit gesagt werden, dass 9/11 nicht zur Genüge aufgeklärt wurde. Über die Anschläge des 11. Septembers ist ein großes Fragezeichen zu setzen. Nur eine neue Untersuchungskommission, mit einer fairen Besetzung und Ausrichtung, könnte dem Ziel, eine lückenlose, rechstaatliche Aufklärung der Terroranschläge nach kommen. Damit es aber zu einer neuen Untersuchung kommt, ist der Druck durch die Öffentlichkeit unumgänglich. Und um die Öffentlichkeit über die vermutliche Verschwörung umfassend zu informieren, ist die Einbindung der Mainstreammedien notwendig.

Das 9-11 Truth Movement sollte aus seinen Kinderschuhen hinauswachsen und eine neue oder zumindest erheblich verbesserte Programmatik an den Tag legen.

Bud Spencer

Dass Journalisten in etablierten Medien eine doch recht eigenwillige Interpretation von kritischem Journalismus haben, ist kein Geheimnis. Die Gründe hierfür sind klar: Auf dem Olymp ihres journalistischen Wirkens angekommen, ist jeder dieser Vorzeigejournalisten darauf bedacht, auch möglichst lange dort zu bleiben. Ansehen und gutes Geld sind zwei der Anziehungskräfte, die das Verweilen auf dem Berg der Götter erstrebenswert machen. Von diesem Standpunkt ist es verständlich, dass alle, die die (vermeintliche) Bergspitze des Journalismus erklommen haben, sich nicht durch unbequeme Fragen und einen kritischen Journalismus selbst ins Tal stürzen möchten. Kurz um: Die Verhältnisse sind bekannt, man ist einiges gewohnt von den Gipfelstürmern im Journalismus.

Wir haben vor einigen Monaten an dieser Stelle schon mal einen Beitrag über den Kuscheljournalismus im heute journal veröffentlicht. Das sich seit dieser Zeit das heute journal mit seinen Protagonisten verändern würde, war nicht zu erwarten. Und doch: Gestern Abend toppte der Chef des heute journals, Claus Kleber, den üblichen und eigentlich ohnehin kaum zu überbietenden Schmusekurs seines Nachrichten-Flagschiffs mit politischen Funktionsträgern. Seit dem befindet er sich sozusagen: over the top.

In einem Interview mit Familienministerin Ursula von der Leyen sprach Kleber über ihr Vorhaben, mehr Krippenplätze in Deutschland zu schaffen. Das Interview, das mal wieder weitestgehend einem Austausch von verbalen Zärtlichkeiten glich, wäre noch nicht mal mehr eine kleine Polemik wert, wäre da nicht dieser Schluss, in dem Kleber im ‚Eifer des Gefechts’ seines Interviews vermutlich ganz unbewusst eine entlarvende Abmoderation macht. Hier das Zitat:

„Sie haben Zeit bis zum 16 April für ihre Ideen zu werben. Sie haben bei uns begonnen damit. Dankeschön und einen guten Abend.“

Nun ist es nachvollziehbar, dass Politiker die Medien nutzen, um ihre Politik und ihre Ideen, der Öffentlichkeit mitzuteilen. Allerdings sollte immer auch – mal abgesehen von den Wahlwerbespots – ein kompetenter Journalist zwischen geschaltet sein, damit Propaganda und politische Manipulation entsprechend dechiffriert werden.
Dass Nachrichtenchef Kleber nun die ideologischen Fallstricke der Aussagen von Frau Von der Leyn weder für sein Publikum dechiffriert noch dekonstruiert, war abzusehen. Dass er sich aber noch mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht, für die ‚Werbung’ bedankt, verweist auf die Abgründe im Mainstreamjournalismus. Damit hat der Anchorman offen sprachlich unterstrichen, dass das heute journal eine Werbesendung für die Politik ist.

Eine weitere Kommentierung der gemachten Abmoderation aus dem Interview ist nicht notwendig, denn die Aussage beinhaltet so offensichtlich alles, was sie eigentlich verbergen wollte.

Mit der Mischung aus Freundlichkeit (bloß keinen wirklich verärgern) und pseudokritischen Kommentaren und Aussagen ging es dann mal wieder weiter im heute journal bis zu der Stelle, als Claus Kleber eine Anmoderation für einen Beitrag bezüglich der Airbus-Problematik machte und er zur Abwechslung mal richtig lustig sein wollte:
„Heißt es nun Airbus oder Airbüs?“, (einmal deutsch, einmal französisch ausgesprochen) fragte Kleber nicht ohne Freude über diese ‚witzige’ Moderation.
Tja, wer weiß? Airbus, Airbüs oder vielleicht sogar Airtschüss? Die Antwort blieb er seinen Zuschauer schuldig.

Man kann nur spekulieren, aber gewiss würden Kleber&Co die hier geäußerte Kritik an ihrem Journalismus ganz anders sehen.

Doch, um noch mal das Eingangs des Artikels verwendete Bild des Berges zu gebrauchen: Von oben betrachtet, sieht die Welt halt ganz anders aus.

Bud Spencer

Das kürzlich aufgetauchte Video einer BBC-Sendung vom 11. September 2001, in der über den Zusammenbruch des WTC7-Gebäudes berichtet wird, während es noch im Bildhintergrund zu sehen ist, hat zu großer Aufmerksamkeit (und Aufgeregtheit) in der alternativen 911-Bewegung geführt, die zum Teil auch im medialen Mainstream (z. B. im Focus und der Süddeutschen ) bemerkt worden ist.

So wünschenswert auch grundsätzlich die Aufmerksamkeitskanalisierung auf alternative Deutungen zu 911 sein mag, so ärgerlich ist die zu beobachtende simplifizierende und einlinige Interpretation des Videos durch einen Großteil der 911-„Skeptiker.“

Obwohl das Video mehrere ‚Lesarten‘ zulässt (wie z. B. eben eine Falschmeldung, wie von der BBC behauptet – es gab mehrere Falschmeldungen an diesem Tag), sehen die bezeichneten „Skeptiker“ darin den endgültigen „Beweis“ dafür, dass der 11. September ein Komplott der US-Amerikanischen Regierung samt Massenmedien wie der BBC war. So titelt etwa www.911komplott.de, dass die BBC-Nachrichtensendung ein „Medien-Komplott“ beweise. Auch bekannte „Verschwörungstheoretiker“ wie der gerne übers Ziel hinausschießende Wisnewski spekulieren angesichts des „Videobeweises“ über „geheime Drehbücher“, nach denen der 11. September choreographiert worden sei („Ganz sieht es so aus, als wäre der 11.9. tatsächlich nach einem geheimen Drehbuch abgespult worden, das von der BBC eben zu früh ausgeplaudert wurde.“). Sogar die eigentlich nüchterne Netzzeitung suggeriert in ihrer Überschrift, dass das Video die 911-Verschwörungstheorien stütze (was in gewisser Hinsicht ja auch durchaus zutrifft).

Wie gesagt, das Video beweist zunächst einmal gar nichts, außer vielleicht einem Wissensdefizit (was in einem seltsamen Widerspruch zu dem ausgefeilten „Drehbuch“ der mediopolitischen Verschwörer stünde) der Kommentatoren, die offenkundig über ein zusammengestürztes Gebäude reden, während es im Bildhintergrund zu sehen ist. Das Video als Beweis für eine Großverschwörung zu sehen, beweist vor allem, dass es vielen sogenannten 911-„Skeptikern“ um nichts anderes geht, als darum, empirische Fakten in ihr vorgefertigtes ‚Weltbild‘ einzupassen. Und das ist das genaue Gegenteil eines erkenntnistheoretischen Skeptizismus, wie sich ihn viele „Skeptiker“ und „Wahrheitssucher“ auf die Fahne (oder Webseite) schreiben.

Letzendlich zeigt sich an diesem Fall eine ähnliche Gläubigkeit und ein Hang zur „kognitiven Dissonanzreduktion“ wie bei den etablierten Medien, die alle der offiziellen Lesart widersprechenden Fakten (z. B. das Ignorieren des erstes Videos von Bin Laden, in dem er eine Beteiligung an den Anschlägen verneint) zu 911 systematisch ausblenden.

Es geht mir hier nicht um die Diskreditierung des 911-Truth-Movements. Die Hinterfragung der offenkundig zweifelhaften offiziellen Geschichtsschreibung des „11. September“ ist und bleibt eine essentielle Aufgabe. Eine spekulative und unkritische „Konspirologie“ (Bröckers), wie oben beschrieben, dient jedoch in keiner Weise der Aufklärung der Hintergründe der Anschläge des 11. September 2001, sondern vielmehr dazu, die bestehenden Klischees über „Verschwörungstheorien“ zu verstärken und die Arbeit von wirklichen Skeptikern wie etwa Daniele Ganser, Andreas Hauß, Mathias Bröckers et al. zu sabotieren.

Karlstadt