In einem Artikel der Deutschen Presse Agentur (DPA) zum Thema ‚Freilassung der britischen Iran-Gefangenen’ steckt mehr an kritischem und dezidiertem Journalismus, als man es sonst von Nachrichtenagenturen und Mainstreammedien gewohnt ist. Der Artikel, der auf der Yahoo-Nachrichtenseite veröffentlicht wurde, hinterfragt die zweifelhafte Erlaubnis des britischen Militärs, den freigelassenen Gefangenen ihre Erlebnisse und Eindrücke aus der Gefangenschaft an die Medien zu verkaufen. Bezogen auf die Darstellungen der weiblichen Gefangenen, Faye Turney, die sich am Montag in einer Cover-Story für das Boulevard Blatt Sun über ihre Inhaftierung äußerte, wird in dem Artikel der DPA gefragt: „Reden wir hier über Wahrheit oder über Zensur und vielleicht sogar Verzerrung?“

Zu offensichtlich ist die propagandistisch aufgemachte Erzählung Turneys, worin sie schildert, dass sie bis auf einen Schlüpfer in einer heruntergekommenen Zelle gewesen wäre und Angst vor Vergewaltigung gehabt habe. Außerdem habe sie befürchtet, „vor ihrer Zelle seien bereits Zimmerleute am Werk, um einen Sarg exakt nach ihren Körpermaßen zu fertigen…“
In dem Artikel wird die Story von Turney jedoch relativiert: „Nackt bis auf den Schlüpfer? Genau betrachtet war sie dabei allein in ihrer Zelle. Hinter der Ausziehübung stand keine Vergewaltigungsdrohung. Sie musste ihre Uniform gegen Baumwoll-Pyjamas tauschen“.
Darüber hinaus wird in dem Artikel auch die Zeitung Sun beleuchtet: „Die Zeitung gehört zum Konzern des australisch-amerikanischen Medienmilliardärs Rupert Murdoch, der den Irak-Krieg stets unterstützt hat. Und auch den Premierminister, der britische Truppen dafür abstellte. Als es 2005 wegen des Desasters im Irak nicht gut aussah für eine zweite Wiederwahl Blairs, rief die «Sun», die vorher die Konservativen unterstützt hatte, ihre Millionenleserschaft auf, diesmal für Labour und damit für Blair zu stimmen.“

Ebenso werden zur Verdeutlichung der zu vermutenden propagandistischen Hintergründe der Titelstory der ehemalige Chefredakteur der Sun, Kelvin MacKenzie und Generalmajor Patrick Cordingly mit Äußerungen angeführt, deren Aussagen eine klare Sprache sprechen. MacKenzie sagt: „Mein Gefühl ist, dass sich die Regierung große Sorgen machte, weil sie die Propagandaschlacht mit dem Iran verloren hat und dass die 15 Soldaten einfach nur Schachfiguren in dieser Schlacht sind.“ Und der Generalmajor meint, „Es sei deprimierend zu erleben, wie Marineangehörige «fast wie Propagandawerkzeuge» benutzt werden…“.

Interessant ist auch die von den Verantwortlichen der Sun gewählte Überschrift „Der Leidensweg“, der man eine gewisse Referenzidentität mit dem Schicksal Jesus Christus, dessen Tod und Auferstehung Christen just zu dieser Zeit feiern, nicht absprechen kann, wie es auch der DPA-Journalist erkannt hat.

Der DPA-Artikel war auf entsprechende Berichterstattungen der britischen Zeitungen Times und Independent aufgebaut, die mit einem kritischen Verstand die Glaubwürdigkeit von Turneys Geschichte in Frage stellen.

Trotz der Tatsache, dass die Gefangenen mit Sicherheit eine Höllenangst gehabt haben und die Gefangennahme äußerst heikel gewesen sein mag, liegt der Verdacht der Manipulation von Seiten der britischen Regierung nahe. In diesem Artikel der DPA wurde journalistisch alles richtig gemacht. Erlebt man selten!

Bud Spencer

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