Der Vorsitzende der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, nahm 2006 an der Bilderberg-Konferenz im kanadischen Ottawa teil. Auf der Homepage des Politikers findet man eine Pressemeldung, worin die Teilnahme an dem Treffen des Elitenzirkels bekannt gegeben wird. Außerdem wurde ein Bild veröffentlicht, das Pflüger, wie es heißt, neben „seinem langjährigen Freund“ Henry Kissinger am Rande der Konferenz zeigt.

Das öffentliche Zugeständnis eines Politikers über die Teilnahme an der einmal im Jahr stattfindenden Veranstaltung bereits unmittelbar nach der Konferenz, könnte auf eine strategische Veränderung von Bilderberg bezüglich des Umgangs mit der Öffentlichkeit hindeuten. Noch bis vor einigen Jahren waren Statements von Teilnehmern der Konferenzen sowie aktiven Mitgliedern von Bilderberg kaum zu finden. Und so verhielt es sich auch mit der medialen Berichterstattung. Erst mit dem Internet wurde die Bilderberg-Group in der Öffentlichkeit zunehmend bekannter, da jene Personenkreise, die sich intensiv mit dem Phänomen Bilderberg beschäftigten, ihre Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zukommen lassen konnten. Mittlerweile findet im Internet eine regelrechte Jagd auf den genauen Zeitpunkt der Konferenzen statt und es werden Verabredungen getroffen, um gegen die nicht öffentlichen Treffen vor Ort zu protestieren, bzw. die beobachtbaren Geschehnisse um die Konferenzen zu ‚überwachen’. Erst in den letzten Jahren haben sich aufgrund der ‚Pressearbeit’ der Bilderberg-Gegner auch die Mainstreammedien mit dem Thema befasst (z.B. die Asia Times, CNN, BBC, Münchner Merkur) – wenn auch nur oberflächlich.

Aufgrund einer immer stärker interessierten Öffentlichkeit könnte es nun sein, dass Bilderberg nach über 50-jähriger erfolgreicher Verschleierung der Treffen der wachsenden Kritik durch eine Art Teilöffnung entgegenzutreten versucht. Was aus strategischen Gründen durchaus Sinn macht: Der große Vorwurf der Gegner der Konferenzen, nämlich, dass die Bilderberger eine geheime Weltregierung seien, die die Welt aus dem Verborgenen steuert, würde mit einer zunehmenden Öffnung (zumindest vordergründig) erheblich abgeschwächt werden.

Es könnte aber auch sein, dass Pflüger sich nicht aufgrund einer neuen Bilderberg-Policy öffentlich zu dem Elitenzirkel bekannt hat, sondern dass es sich dabei um eine individuelle Entscheidung gehandelt hat. Dann kann man allerdings auch davon ausgehen, dass die individuelle Entscheidung aus strategischen Gründen getroffen wurde. Sie dürfte ebenfalls mit einem gesteigerten öffentlichen Interesse an den Konferenzen zu tun haben. Wenn dann der Vorwurf der Teilnahme an den Konferenzen erhoben wird, kann der Volksvertreter darauf verweisen, dass er die Teilnahme der Öffentlichkeit mitgeteilt habe und dass an den Konferenzen nichts Unredliches zu finden sei.
Bei beiden Erklärungsmöglichkeiten wird die Strategie deutlich, den Kritikern von Bilderberg durch mehr Öffentlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Doch genau genommen ist das Eingeständnis des CDU-Politikers an der Teilnahme der Konferenzen alles andere als eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Zum einen bleibt die Bilderberg Gruppe ein elitärer Zirkel, der nach wie vor eine kritische Presse bei den Konferenzen nicht duldet, zum anderen wirft das Bekenntnis Pflügers zu Bilderberg ein äußerst zweifelhaftes Licht auf die Frage, wie ernst es Pflüger mit den basisdemokratischen Grundsätze meint, gegenüber denen der Volksvertreter verpflichtet ist. Denn, bei allen offenen Fragen, die es um das Phänomen Bilderberg noch zu klären gibt, so viel ist klar: Die Bilderberg-Gruppe oder genauer: diese Form der Zusammenkünfte von führenden Politikern mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaft usw. ist in ihrem Kern zutiefst undemokratisch. Zwar wurde schon an anderer Stelle darauf verwiesen, dass die Behauptung, dass es sich bei Bilderberg um eine geheime Weltregierung handelt, in dieser Form äußerst unwahrscheinlich ist, doch sind die Probleme, die mit dieser Form der Elitenkommunikation verbunden sind, alles andere als unerheblich. In Elitenzirkel wie Bilderberg kommt es nämlich zu einem verschleierten politischen Formationsprozess und die Konsense, die während dieser Treffen unter den Machteliten erzielt werden, bahnen sich früher oder später in irgendeiner Weise ihren Weg in die für jedermann ersichtliche gesellschaftspolitische Alltagsrealität – nur wissen dann die wenigsten, wie diese Realität zustande kommt. Hinzu kommt, dass die Partizipation einer an Demokratie interessierten Bevölkerung aus diesen elitären politischen Formierungsprozessen vollkommen ausgeschlossen wird (wie heißt es in der Pressemeldung auf der Homepage von Pflügler: „Bilderberg-Konferenzen wurden erst von ca. 2000 Personen besucht“). Zu diesem Sachverhalt hat sich der Volksvertreter bisher aber noch nicht öffentlich geäußert.

Von Interesse ist nun aber die Frage: Warum wurde gerade Pflüger zu dem Treffen eingeladen? Zur Einladungs- und Rekrutierungspraxis der Bilderberger gibt es keinerlei dienliche fundierte Informationen. Nahe liegt jedoch, dass Personen eingeladen werden, die aufgrund ihrer Biographie, ihrer Persönlichkeit und ihren Verbindungen ‚wertvoll’ für die Konferenzen sind. Wie genau eine Einladung von Bilderberg abläuft, davon ist nichts bekannt. Wie kommen die Kontakte zustande? Welche Kriterien gilt es im Einzelnen zu erfüllen? – um nur zwei Fragen anzuführen, die der Volksvertreter auf seiner Homepage leider auch nicht beantwortet.
Dennoch lassen bereits die Informationen, die Pflüger bei seiner Internetpräsenz offenbart, bestimmte Rückschlüsse zu. Es führte an dieser Stelle zu weit, die Korrelation zwischen den vermutlichen Interessen der Machteliten und der politischen Haltung Pflügers zu analysieren. Für den geneigten Leser seien im Folgenden ein paar Statements des Politikers und ein Zitat der Bundeskanzlerin aufgeführt, die sich auf seiner Homepage befinden und die durchaus aufschlussreich sind:

„Das globale Netz des islamistischen Terrors erreicht eine neue Qualität der Bedrohung durch die Verbindung von nichtstaatlicher Gewalt mit Massenvernichtungswaffen. Der Westen kann diese Herausforderung nur bestehen, wenn er seine politische, ökonomische und moralische Stärke wiedererlangt…Auch wenn Europa gegenwärtig ein Bild der Uneinigkeit abgibt, so muß es doch… eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik formulieren und sich auf humanistische Werte berufen. Allerdings muß Europa bereit sein, diese auch zu verteidigen. Nur so kann es sich erfolgreich gegen den Islamismus – die dritte große totalitäre Herausforderung der freien Welt – zur Wehr setzen…“ (Auszug aus einem Buch von Pflüger)

„Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat Europa eine historische Wendemarke erreicht: Die gelungene Einführung des Euro- Bargeldes war für viele ein prägendes Erlebnis. Mit den neuen Scheinen und Münzen in der Tasche fühlen sich viele Bürger wieder ein Stück mehr als Europäer. Es bietet sich heute die Chance, die gemeinsame europäische Zukunft nicht nur zu träumen, sondern sie konkret zu gestalten: Ein europäischer Verfassungsvertrag und die Vereinigung der „alten Welt“ stehen an.“ (Auszug aus einem Buch von Pflügler)

„In meinem Büro hängen drei Portraits: Konrad Adenauer, Willy Brandt – und Helmut Kohl. Er wird dort auch hängen bleiben. Ungeachtet der Ereignisse im deutschen Winter 1999/2000 bleibt er für mich einer der großen Staatsmänner unserer Zeit. Kohls Erbe, die unauflösliche Verbindung von Deutschland und Europa muss unsere Leitschnur bleiben.“

„Die Anschläge in New York und Washington waren auch ein Weckruf für Europa: Die Terroranschläge von Madrid, London, Istanbul und Djerba verdeutlichen: Unsere Seite des Atlantiks ist leider keine „Insel der Glückseligen“, sondern auch wir liegen im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Man kann, darf und muss die USA für einzelne Facetten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus kritisieren – so teile ich explizit die Kritik Angela Merkels an Guantanamo – aber haben wir in Europa wirklich die Dimension der Gefahr erkannt? Oder haben wir schnell wieder auf „Schlummerfunktion“ gestellt und schlafen weiter?“

„Genau der richtige Mann für Berlin. Mit internationalen Kontakten und seinen Fähigkeiten wird Berlin wieder eine politische Größe im Bund.“ Angela Merkel, Bundeskanzlerin (2006)

Anbei noch einige Links zum Thema Bilderberg, die interessante Informationen beinhalten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberger

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/EE22Ak03.html

http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Bilderberg

http://www.prisonplanet.com/archive_bilderberg.html

http://www.bilderberg.org/

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4258/1.html

http://www.fosar-bludorf.com/bilderberger/Liste.htm

http://news.bbc.co.uk/1/hi/magazine/3773019.stm

http://www.counterpunch.org/estulin05272005.html

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-32.htm

http://www.xs4all.nl/~ac/global/achtergrond/bilderberg.htm

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