Juli 2007


Man hört in den heutigen Tagen nicht zu wenig, dass es ja, entgegen überkommener Überzeugungen, doch tatsächlich Bomben geben kann, die, den richtigen Kontext vorausgesetzt, da herniederfallen und Gutes tun. Gutbomben sind Bausteine von Gutkriegen, hört man, mächtig die Kriege zu befrieden und zu präventionieren. Je mehr humane Gutkriege zur Beendigung und Präventierung von nichtsolchen Kriegen, umso besser, ertönt es vielerorts von der mediopolitischen Heimatfront.
Dieser, sagen wir mal, ‚eigenwilligen‘ Logik folgend scheint es nicht mehr als schlicht und einfach konsequent, bemüht darum zu sein, den Urgrund dieser friedensschwangeren Guthumankriege nicht unbestellt zu lassen.
Das wissen die – man verzeihe mir das Wortspiel – rüstigen Damen und Herren in der BRD wohl nur zu genau. Zumindest zeugt ein Bericht eines schwedischen Forschungsinstitutes davon: Mit exportierten Bomben und Co. im Werte von 3,8 Milliarden Dollar im Jahre 2006 hat man dafür gesorgt, dass die Gutbomben auch weiterhin Gutes werden tun können. Dass dieses Exportieren für die oben gepriesene gute Sache ist, lässt sich aus der sorgsamen Wahl der Empfänger herauslesen. Nein, man kann den erwähnten Damen und Herren in der Tat nicht vorwerfen, dass sie diese Exporte wahllos getätigt hätten, nein wahrlich nicht, wie uns die Frankfurter Rundschau verkündet:

Führender Empfänger deutscher Waffen sind Staaten, die kriegerische Konflikte führen. Ein bedeutender Anteil der deutschen Waffentransfers erfolgt ausgerechnet in die Entwicklungsländer, die Entwicklungshilfe beziehen. In beträchtlichem Umfang wurden deutsche Waffen an Länder in Krisen- und Kriegsgebiete des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas verkauft.

Der aufmerksame Zuhörer und Beobachter antizipiert und kombiniert: Die gepriesenen Gutbomben stecken in dem Export fast zwingend schon drin, ein logischer Kreislauf schließt sich beinahe zu einem perpetuum mobile, nicht wahr? Für gewinnbringende und wiederfriedenmachende Gutbomben als Kompensation dieses morbiden Exportierens ist wohl bestimmt schon gesorgt, bei den betreffenden Damen und Herren der BRD. Und beinahe hört man sich halberinnernd leise sagen: Der humane Tod ist wieder mal ein Meister aus Deutschland.

karlstadt

Am medialen Umgang mit der Linkspartei und deren prominentestem Kopf Lafontaine zeigt sich seit einiger Zeit in aller Klarheit eine grundlegende und immer wieder beobachtbare Eigenschaft der „hegemonialen“ (Jürgen Link) Medien wie Spiegel, Süddeutsche und Co. Diese Eigenschaft besteht jedoch nicht in der propagierten und wohl auch dem Selbstverständnis nach verinnerlichten demokratischen Kontrollfunktion politischer Machtausübung, sondern vielmehr in der Legitimation und Stützung ebendiesen politischen Machtfeldes.

Im Einklang mit den etablierten Parteien werden die ‚Linke‘ und Lafontaine seit geraumer Zeit angesichts wachsender politischer Bedeutung hysterisch mit Polemik, Falschzitaten und Unwahrheiten überschüttet. Das Ganze reicht vom bewährten Populismus-Vorwurf, der traditionell dazu dient, jegliche Kritik an den herrschenden Maximen des politischen Machtfeldes (wie z.B. des „militärischen Humanismus“ (Chomsky)) zu entwerten und reicht bis hin zu dem mehr oder weniger subtilen, ebenfalls beliebten Andeuten der rechtsradikalen Potentiale der ‚Lafontaisten‘. Die Heftigkeit jedenfalls, mit der die hegemonialen Medien die sektierenden „Linken bekämpfen und offenkundig das „offizielle“ politische Machtfeld verteidigen, ist geschichtlichen Ketzerbekämpfungen nicht unähnlich.

In einem aktuellen Kommentar vom „Süddeutsche“-Redakteur Christopher Schwennike kommt diese Legitimations- und Abwehrfunktion ganz offen und direkt zum Ausdruck, weshalb sich ein genauerer Blick darauf lohnt: Schon der Vergleich Kurt Becks mit der Heldengestalt Odysseus (der dem Gesang der „Sirene“ Lafontaine widerstehen muss) zeugt von den unbewussten, aufblickenden Anerkennungsneigungen des Herrn Schwennickes gegenüber etablierten politischen Größen.
In seinem – um es euphemisch auszudrücken – schlichten Kommentar gibt Herr Schwennike anschließend seinen Helden wie Kurt Beck und Co. sowie den dazugehörigen „seriösen“ Parteien Tipps, wie sie mit den ketzerischen Bestrebungen der zwar „demokratischen“ aber „unseriösen“ Linkspartei umzugehen haben. Die bedeutungsarme Unterscheidung seriös/unseriös (auf deren Erläuterung der Autor freilich verzichtet) wird nämlich stolz als „Erkenntnis“ präsentiert, aus der die „Seriösen“ ihre Konsequenzen zu ziehen haben, die Schwennike im Fortgang seines Artikels präsentiert.
Wenn man im Folgenden verwundert in Herrn Schwennikes „Lehre“ erfährt, wie man die Linken von ihren “ beinahe 15 Prozent in den Umfragen runterholen“ könne, dass die „seriösen Parteien“ dem ‚derb holzenden‘ Lafontaine mit einer „feinen Parade“ kontern müssen, dass die „seriösen Parteien“ wie das Verfassungsgericht die „Linken“ hinsichtlich ihrer Verfassungsklage gegen die Tornado-Einsätze „sezieren“ müssen, dann hat man den nicht ganz abwegigen Eindruck, dass sich Herr Schwennike (auch hier wohl eher unbewusst) nicht als distanzierter und neutraler Journalist begreift, sondern vielmehr als Anwalt bzw. Sekundant in der Ecke des um seine Deutungsmonopole kämpfenden politischen Machtfeldes steht.
Übrigens, wenn wir schon bei medialer Autoritäts- und Institutionenhörigkeit sind: Das „Sezieren“ der Linkspartei durch das Verfassungsgericht gründet sich bei Schwennicke, nimmt man seinen Text so wie er ist, schlicht auf der Tatsache, dass das Gericht gesagt hat, dass es nicht so ist; so einfach geht das: „Nein, die Nato hat sich nicht von ihrem Grundlagenvertrag verabschiedet und ist kein aggressives Kampfbündnis geworden. Nein, es hat keine schleichende Überstrapazierung des Nato-Beitrittsgesetzes von 1955 gegeben.“

Es gibt wenig Grund zur Hoffnung, dass die der „Aura des Offiziellen“ verfallenen hegemonialen Medien, wie in typischer Form von Schwennicke demonstriert, von dieser machtlegitimierenden Tendenz abrücken werden. Jedoch begründete Hoffnung, dass sich die „Linkspartei“ trotz dieser medialen Ketzerjagd (die Geschichte hat es immer wieder gezeigt) als politische Alternative im gegenwärtig fragwürdigen politischen Alltag etablieren kann. Gerade die heftigen Reaktionen vom „seriösen“ medialen und politischen Feld sind ein Indikator für diese Entwicklung. Schließlich bellen getroffene Hunde in der Regel auch heute noch.

karlstadt