Am medialen Umgang mit der Linkspartei und deren prominentestem Kopf Lafontaine zeigt sich seit einiger Zeit in aller Klarheit eine grundlegende und immer wieder beobachtbare Eigenschaft der „hegemonialen“ (Jürgen Link) Medien wie Spiegel, Süddeutsche und Co. Diese Eigenschaft besteht jedoch nicht in der propagierten und wohl auch dem Selbstverständnis nach verinnerlichten demokratischen Kontrollfunktion politischer Machtausübung, sondern vielmehr in der Legitimation und Stützung ebendiesen politischen Machtfeldes.

Im Einklang mit den etablierten Parteien werden die ‚Linke‘ und Lafontaine seit geraumer Zeit angesichts wachsender politischer Bedeutung hysterisch mit Polemik, Falschzitaten und Unwahrheiten überschüttet. Das Ganze reicht vom bewährten Populismus-Vorwurf, der traditionell dazu dient, jegliche Kritik an den herrschenden Maximen des politischen Machtfeldes (wie z.B. des „militärischen Humanismus“ (Chomsky)) zu entwerten und reicht bis hin zu dem mehr oder weniger subtilen, ebenfalls beliebten Andeuten der rechtsradikalen Potentiale der ‚Lafontaisten‘. Die Heftigkeit jedenfalls, mit der die hegemonialen Medien die sektierenden „Linken bekämpfen und offenkundig das „offizielle“ politische Machtfeld verteidigen, ist geschichtlichen Ketzerbekämpfungen nicht unähnlich.

In einem aktuellen Kommentar vom „Süddeutsche“-Redakteur Christopher Schwennike kommt diese Legitimations- und Abwehrfunktion ganz offen und direkt zum Ausdruck, weshalb sich ein genauerer Blick darauf lohnt: Schon der Vergleich Kurt Becks mit der Heldengestalt Odysseus (der dem Gesang der „Sirene“ Lafontaine widerstehen muss) zeugt von den unbewussten, aufblickenden Anerkennungsneigungen des Herrn Schwennickes gegenüber etablierten politischen Größen.
In seinem – um es euphemisch auszudrücken – schlichten Kommentar gibt Herr Schwennike anschließend seinen Helden wie Kurt Beck und Co. sowie den dazugehörigen „seriösen“ Parteien Tipps, wie sie mit den ketzerischen Bestrebungen der zwar „demokratischen“ aber „unseriösen“ Linkspartei umzugehen haben. Die bedeutungsarme Unterscheidung seriös/unseriös (auf deren Erläuterung der Autor freilich verzichtet) wird nämlich stolz als „Erkenntnis“ präsentiert, aus der die „Seriösen“ ihre Konsequenzen zu ziehen haben, die Schwennike im Fortgang seines Artikels präsentiert.
Wenn man im Folgenden verwundert in Herrn Schwennikes „Lehre“ erfährt, wie man die Linken von ihren “ beinahe 15 Prozent in den Umfragen runterholen“ könne, dass die „seriösen Parteien“ dem ‚derb holzenden‘ Lafontaine mit einer „feinen Parade“ kontern müssen, dass die „seriösen Parteien“ wie das Verfassungsgericht die „Linken“ hinsichtlich ihrer Verfassungsklage gegen die Tornado-Einsätze „sezieren“ müssen, dann hat man den nicht ganz abwegigen Eindruck, dass sich Herr Schwennike (auch hier wohl eher unbewusst) nicht als distanzierter und neutraler Journalist begreift, sondern vielmehr als Anwalt bzw. Sekundant in der Ecke des um seine Deutungsmonopole kämpfenden politischen Machtfeldes steht.
Übrigens, wenn wir schon bei medialer Autoritäts- und Institutionenhörigkeit sind: Das „Sezieren“ der Linkspartei durch das Verfassungsgericht gründet sich bei Schwennicke, nimmt man seinen Text so wie er ist, schlicht auf der Tatsache, dass das Gericht gesagt hat, dass es nicht so ist; so einfach geht das: „Nein, die Nato hat sich nicht von ihrem Grundlagenvertrag verabschiedet und ist kein aggressives Kampfbündnis geworden. Nein, es hat keine schleichende Überstrapazierung des Nato-Beitrittsgesetzes von 1955 gegeben.“

Es gibt wenig Grund zur Hoffnung, dass die der „Aura des Offiziellen“ verfallenen hegemonialen Medien, wie in typischer Form von Schwennicke demonstriert, von dieser machtlegitimierenden Tendenz abrücken werden. Jedoch begründete Hoffnung, dass sich die „Linkspartei“ trotz dieser medialen Ketzerjagd (die Geschichte hat es immer wieder gezeigt) als politische Alternative im gegenwärtig fragwürdigen politischen Alltag etablieren kann. Gerade die heftigen Reaktionen vom „seriösen“ medialen und politischen Feld sind ein Indikator für diese Entwicklung. Schließlich bellen getroffene Hunde in der Regel auch heute noch.

karlstadt

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