Verschwörung(stheorien)


Neben den zahlreichen Medienbeiträgen zum sechsten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 strahlt das ZDF heute Abend zur ‚Prime Time‘ auch eine Dokumentation über die so genannten „Verschwörungstheorien zum 11. September“ aus, die sich als alternative Deutungsmuster fest im öffentlichen Diskurs etabliert haben.

Zunächst zu den positiven Aspekten der Sendung: Anders als die überwiegende Zahl der meisten Beiträge etablierter Medien über die „911-Verschwörungstheorien“ ist die Dokumentation im Ton erfreulich sachlich: Das heißt, es erfolgen nicht die gewohnten Pathologie- und Psychatrisierugsunterstellungen (Paranoiker, Verschwörungsjunkies, Apokalyptiker etc.), Beleidigungen (so bezeichnete beispielsweise Hans Leyendecker Andreas von Bülow in einem Radiointerview als „Psychopathen“), Ausschwitz-Leugner-Vergleiche („Die September-Lüge“) und dergleichen, sondern man konzentriert sich tatsächlich vornehmlich auf das Argumentative in „Mythos und Wahrheit“.

Leider, um zum Negativen zu kommen, ist diese Argumentation in ihrer Gesamtheit in vielerlei Hinsicht eher mangelhaft. Dies ist vor allem durch die Zielsetzung der Produzenten und Macher bedingt, die schon im Vorfeld klarmachen, wie das Èrgebnis der „Wahrheitsprüfung“ ausfallen soll: So sagte der ZDF-Haushistoriker und Produzent der Serie, Guido Knopp, im Vorfeld, dass es Zielsetzung der Dokumentation sei, die im Internet kursierenden Verdächtigungen und Verschwörungstheorien zu entkräften, was nicht gerade als vorurteilsfreie Herangehensweise bezeichnet werden kann.
Diese Haltung schlägt sich auch deutlich in der Dokumentation nieder. Entsprechend der geäußerten Zielsetzung Knopps werden Erklärungen gesucht, die den Verschwörungstheorien widersprechen und die offizielle Darstellung stützen. Der Beitrag ist so aufgebaut, dass zunächst bekannte „verschwörungstheoretische“ Thesen wiedergegeben werden, wie beispielsweise die Sprengung der WTC-Gebäude oder die Theorie, dass eine Cruise-Missile ins Pentagon eingeschlagen sei (also eher die spekulativen VTs), um diese anschließend durch vermeintliche Experten und Fakten zu entkräften.

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Erst der „Mythos“, dann die „Wahrheit“: „Verschwörungstheoretiker“ Andreas von Bülow und „Luftwaffenexperte“ Stephen Trimble

Das resümierende Resultat mündet demnach wenig überraschend in der Bekräftigung der „Inkompetenztheorie“, wie die offizielle Darstellung der Ereignisse vom 11. September 2001 von einigen Akteuren aus dem „verschwörungstheoretischen“ Lager ironisch bezeichnet wird: Die USA wurde von den Angriffen überrascht, das entstehende Chaos, habe eine effektive Luftabwehr verhindert uswusf.

Denoch hat auch die Doku „Mythos und Wahrheit“ im Rahmen ihrer Recherchen eine Verschwörung ausgemacht, die allerdings nach dem 11. September 2001 stattgefunden habe. In der Presseerklärung bekundet Michael Renz, Regisseur der Dokumentation, dass man während der Recherche „auf eine Mauer des Schweigens“ (deren Darstellung in der Sendung selbst leider sehr knapp abgehandelt wird) gestoßen sei. Durch Tricks und Nichtkooperation seitens des Pentagon und der betroffenen Airlines sei es unmöglich gemacht worden, die entsprechenden Flugzeugtrümmer zu zeigen, mit denen man den Verschwörungstheorien den Wind aus den Segeln habe nehmen wollen. Diese Verschwörung nach 911 wird jedoch nicht als Infragestellung der offiziellen ‚Überraschungstheorie‘ betrachtet, sondern als deren Bekräftigung: Man habe sich nicht verschworen, um die Täterschaft, sondern um die eigene Inkopetenz zu kaschieren (wobei sich die einfache Frage stellt, welche Art von Inkompetenz man denn durch Vorenthalten der Flugzeugtrümmer verbergen will).

Unterm Strich also eine formal sachliche, aber inhaltlich nach den bewährten Mustern verfahrende Medienproduktion über die „Verschwörungstheorien zum 11. September“, die ähnlich wie die bisherigen medialen Beiträge über „Verschwörungstheorien“ eine Art Theodizee praktiziert, mit der die offizielle Theorie und die massenmediale Deutungshoheit bezüglich 911 gegenüber der großen Zahl von Skeptikern und Abweichlern legitimiert und verteidigt werden soll. Bemühungen übrigens, die im Großen und Ganzen von den Kollegen vom Fach wie z.B. bei der FAZ oder der taz (mit kritischem Ansatz der tagesspiegel) mit Wohlwollen honoriert werden.

karlstadt

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Fast punktgenau mit dem Eintreffen Angela Merkels zum Staatsbesuch in China schlug der Spiegel in seiner Titelgeschichte vom Montag Alarm. In eindringlicher Form beschwört diese die Bedrohung des deutschen Staates durch chinesische Wirtschaftsspionage. In dem Artikel findet sich eine verdichtete Ansammlung von einfachen rassistischen Stereotypen, Klischees und Verschwörungstheorien, die den Artikel geradezu zu einem Paradebeispiel für einen manipulativen Journalismus werden lässt.

Die angeführten Strukturelemente der Titelgeschichte zeigen sich schon symbolisch verdichtet in der Covergestaltung des Nachrichtenmagazins. So offenbart der Titel „Die gelben Spione“ deutlich den rassistischen Grundton des Artikels, indem, ganz typisch für rassistische Wahrnehmungsmuster, die Mitglieder einer Volksgruppe auf ein einziges Merkmal, d.h. auf ihre Hautfarbe reduziert werden (was im Artikel leicht variierend wiederholt wird: „die gelbe Gefahr“). Ein anderer erhellender Aspekt: Die attraktive Chinesin, die durch eine rote Jalousie blickt, und ebensogut einem James Bond-Film entstammen könnte, verweist sowohl auf die wirkungsvollen mediensozialisatorischen Einflüsse, denen die Spiegel-Macher unterliegen, als auch auf den generell für den Spiegel der letzten Jahre zum Markenzeichen gewordenen Hang zum Klischee und zum Fiktionalen.

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Dieser Hang zum fiktionalen Erzählgenre findet sich auch zu Beginn des Artikels, in einem „szenischen Einstieg“, wie er strukturgleich seit Jahrzehnten vom Spiegel verwendet wird.

„Es war an einem Dienstag im Mai, als die Bundesregierung vom Angriff auf Deutschland erfuhr:Im Lagezentrum des Kanzleramts, vierte Etage. saßen an diesem Morgen die Staatssekretäre der wichtigsten Ressorts: Innen, Außen, Justiz und Verteidigung.“

Ein paar Zeilen später lässt der Spiegel in aller Fabulierkunst, als ob das Autorenkollektiv mit im „Lagezentrum“ gesessen hätte, einen „Mann im Raum“ erstehen, der mit „eisgrauem Bart“ und „festem Blick“ von der analogen und digitalen „gelben Gefahr“ warnt. Diese Gefahr wird auf den folgenden Seiten mit mehr oder weniger subtilen diskursiven Strategien, die als Lehrstück massenmedialer Propaganda dienen könnten,untermauert und beschworen. So wird die Bedrohung durch „Trojaner“ und Spione aus China mit drastischen Begriffen dargestellt, wobei man sich vor allem einer militärischen Terminologie bedient. Schon das Setting des „szenischen Einstiegs“ mit dem angeführten „Lagezentrum“ und dem erfolgten „Angriff auf Deutschland“ ist eindeutig an ein Kriegsszenario angelehnt, das folgend weiter ausgebaut wird: Der Spiegel schreibt eine Geschichte von „digitalen Armeen“, „digitalen Abwehrschlachten“, „Spionagetrupps“, lässt eine „Volksarmee“, ein „Heer von Chinesen“ aufmarschieren, die einen Angriff auf „unsere Volkswirtschaft“ ausüben. Generell wird so sprachlich – gleich ob bewusst oder unbewusst – aus einem Akt der Wirtschaftskriminalität ein kriegerischer Akt gemacht, und so in den Sinnbereich des Militärischen überführt: in der Regel ein bewährtes und wirksames agitatorisches Mittel, um ein simples Freund-Schema zu konstruieren, durch das man die eigene Bevölkerung gegen einen „Staatsfeind“ mobil machen kann.

Kombiniert wird diese metaphorische Militarisierung im Artikel mit einer mehr oder weniger subtilen Darstellung einer negativen „chinesischen Mentaliät“, die für die „gelben“ Trojaner-Angriffe und Technologie-Raub verantwortlich gemacht werden. Insbesondere wird halb verdeckt, halb offen, das Bild des „hinterlistigen Chinesen“ gezeichnet. So erfährt man, dass die Gutmütigkeit der „enttäuschten“ deutschen Regierung, ungeachtet aller aufrichtigen deutschen Bemühungen um die chinesische Freundschaft, ausgenutzt wird: „Umso härter trifft da der dreiste Versuch der chinesischen Geheimdienste, den Partner auszuplündern, den angeblichen Freund“. Dieses Täuschen und Ausplündern wird an anderer Stelle sehr direkt als Wesenszug und
„mentale Prägung“ des Chinesen an sich bewertet: Die Chinesen, geprägt durch Konfuzianismus und Maoismus, sind eine „‚People’s Republic of Cheats'“, eine Schwindlerrepublik“. Es folgt in dem Artikel eine Aufzählung zahlreicher und „üppiger Anekdoten“ (ja, auch sowas ist heutzutage journalistische Recherche) von „China-Reisenden“ und „China-Frustrierten“, die Opfer oder Zeuge der Technologie-Plünderungen wurden, und die das Klischee nicht nur des listigen, sondern auch noch kulturbarbarischen Chinesen verfestigen helfen, wie dies z.B. durch die Wiedergabe des seit Jahrzehnten grassierenden Mythos des Essens von Affengehirnen
suggeriert („Geschäftsessen, bei denen lebenden Affen mit einem Hämmerchen die Schädeldecke eingeschlagen wurde, um ihr warmes Gehirn auszulöffeln“).

Das tragende Strukturelement des Textes ist die Konstruktion eines großen Verschwörungsszenarios, das eng mit den bisherigen diskursiven Strategien verbunden ist, und alle Elemente einer echten Verschwörungstheorie enthält: So gibt es in der Geschichte des Spiegels einen greifbaren Verschwörer in Gestalt des „Politbüros“, das einen „Masterplan“ entworfen hat, der auf die erwähnte indoktrinierte „Volksarmee“, auf ein „informelles Spionagenetzwerk“ von stolzen „800.000 Spitzeln“ zurückgreifen kann, die den „Angriff auf die deutsche Volkswirtschaft“ durchführen: „Es ist ein dichtes Graswurzelwerk gesät, keiner fordert so selbstverständlich seine in aller Welt verstreuten Landsmänner und Landsfrauen auf, zu kopieren und zu fotografieren, zum Ruhm und Vorteil der eigenen Volkswirtschaft.“ Es wird, wie üblich bei Verschwörungstheorien, ein Generalverdacht geäußert, konkret: Jeder im Ausland lebende Chinese ist ein wahrscheinlicher Spitzel und Denunziant, was durch das Berufen auf einen chinesischen Überläufer mehr als deutlich gemacht wird:

„Jeder Student, jeder Geschäftsmann, der ins Ausland gelassen wird, steht in der Schuld der Partei“…Er revanchiert sich als Spitzel, als Denunziant“

Kreiert wird hier offenkundig eine große Verschwörungstheorie, in der eine heimliche Invasion einer hinterlistigen chinesischen ‚Volksarmee‘ gegen die westlichen Volkswirtschaften am Werk ist. Alles in allem also, wie die Ausführungen zeigen dürften, ist das Machwerk „Die gelben Spione“ ein primitiver propagandistischer Beitrag, hinter dem ein wie auch immer motiviertes Bemühen zum Ausdruck kommt, ein nationales Feindbild zu schaffen bzw. zu reaktivieren. Ein Feindbild, das den westlichen politischen Machteliten aus verschiedensten Gründen sehr gelegen kommen dürfte und wohl als Element des sich neu formierenden geopolitschen Ost-West-Konfliktes betrachtet werden kann. Dieses journalistische Bemühen des Spiegels mag bestenfalls einer unbewussten Internalisierung traditioneller Feindbilder geschuldet sein: angesichts der auffälligen Synchronisierung des Beitrags (dessen Thematik ja nicht tagesaktuell ist, sondern wohl durch die Dienste taktisch lanciert ist) mit dem deutsch-chinesischen „Gipfeltreffen“ scheint es sich hier jedoch vielmehr (also auch eine Verschwörungstheorie) um eine willfährige mediale Unterstützung einer machtpolitischen PR-Aktion von Geheimdiensten und Co. zu handeln.

Die Meldungen lassen aufhorchen: Nach bisher noch nicht von offizieller Seite bestätigten Informationen sollen so genannte agents provocateurs unter die Demonstranten geschleust worden sein, um die Gewaltbereitschaft bei den Demonstrationen zu schüren. Wenn sich diese Behauptung, die von einer Gruppe der Demonstranten und vom anwaltlichen Notdienst aufgestellt wurde, als wahr herausstellen sollte, dann werden wieder einmal die unsichtbaren Strukturen hinter der demokratischen Fassade für einen Moment sichtbar.
Es sieht so aus, als ob agents provocateurs zur Politik der demokratischen Staaten so dazu zu gehören, wie eine ‚Strategie der Spannung‘ , die aus den Gladio-Einsätzen ihren Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft zu haben scheint. Wie perfide ein Staat agents provocateurs einsetzten kann, zeigt in anschaulicher Weise dieses Video über die blutigen Tage des G8-Gipfels in Genua 2001.

Die politischen Gefahren für die Bevölkerung, die sich aus staatlich ‚gedopten‘ Gewaltaktionen ergeben, können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Manipulation der Bevölkerung zur Zustimmung einer bestimmten, von Repressivität geprägten Politik ist dabei noch eine der offensichtlichsten negativen Auswirkungen. Offenbar haben bestimmte Kreise immer wieder ein Interesse daran, eine Spirale der Gewalt zu erzeugen, um nicht mit demokratischen Spielregeln übereinstimmende Ziele zu erreichen. In einem Spiegel-Online Artikel heißt es:

„Ulf Claassen ist Sprecher der Polizei-Sondereinheit „Kavala“. Auch er habe inzwischen Informationen zu dem Vorfall mit dem „sogenannten Zivil-Polizisten“ vorliegen, sagt Claassen SPIEGEL ONLINE, einen offiziellen Bericht dazu aus der zuständigen Einheit aber nicht. „Tatsache ist, dass wir keinen Beamten vermissen, es handelt sich also um keinen Kavala-Polizisten“, sagt der Polizeisprecher. So etwas gehöre seiner Meinung nach auch „nicht in einen Rechtsstaat, das wäre inakzeptabel und unverhältnismäßig“. Allerdings, was beispielsweise der Verfassungsschutz tue, darüber sei er nicht informiert. Ein Dementi klingt anders.“

Die Frage, welche Interessen und welche Kreise im Detail dafür sorgen, dass solche ‚Provokateure‘ zum Einsatz kommen, dürfte aber mal wieder nicht vom Mainstream-Journalismus als Thema aufgegriffen werden. Dennoch sollte man nicht die staatlichen Einsatzkräfte vor Ort im Allgemeinen verteufeln. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei diesen agents provocateurs-Einsätzen, wie in anderen Fällen auch, nur um kleine, verdeckt operierenden Zellen handelt, die über ein Bandenspiel von höchsten Stellen protegiert und angewiesen werden.
Aufhorchen lässt dann auch eine Meldung, wonach ein CIA-Agent mit Plastiksprengstoff von Polizeikräften entdeckt worden ist. Dieser habe darauf gesagt, es handele sich nur um einen Test, ob die Sicherheitskontrollen auch funktionierten.
Am Rande des G8-Gipfels in Deutschland scheint sich das alte Muster aus staatlichem Terror und Geheimdiensten mal wieder auf mehr oder weniger subtile Art zu offenbaren.

bud spencer

Es ist bezeichnend für die gegenwärtige Lage im Journalismus, dass nicht die New York Times, die Faz oder das ‚Nachrichtenmagazin’ Der Spiegel über die Vermutungen des ausgewiesenen Biowaffen-Experten Francis A. Boyle berichten, sondern das Erotik-Magazin Hustler dieser Aufgabe nachkommt. Der Experte, der für die erste Bush-Regierung arbeitete, äußerte mit gewichtigen Argumenten den Verdacht, dass die Milzbrand-Erreger aus den Anschlägen von 2001 in den USA, nur aus einem US-amerikanischen Labor stammen können. Boyle geht darüber hinaus von einer Beteiligung von Teilen der US-amerikanischen Regierung an den Anschlägen aus. Die Regierung habe wahrscheinlich durch die Inszenierung der Anschläge bewirken wollen, dass der Patriot Act und der Military Commission Act einfacher von der Legislative abgesegnet werden. Boyle, der eine Doktortitel in Rechts- und Politikwissenschaft hat und Bosnien Herzegowina vor dem Weltgerichtshof Vertrat, warnt in dem Artikel außerdem vor einem sich ausbreitenden Faschismus in den Vereinigten Staaten durch die entsprechende Veränderungen der erfolgten rechtsstaatlichen Rahmenbedingungen von Regierungsseite.

Der Artikel baut auf einem Interview auf, das der US-amerikanischen Radiojournalist Alex Jones mit Francis A. Boyle führte

Hier noch ein Link zu einem Artikel,der ebenfalls auf einem Radio-Interview in der Alex-Jones-Show basiert und in dem Boyles Thesen zum Irakkrieg aufgegriffen werden (Mit mp3-Interview-Link).

Mit einer gehörigen Portion Kreativität gehen schon seit einiger Zeit die Mitglieder des 9/11 Truths Movements in den USA vor, um ihre Sicht bezüglich der Terroranschläge des 11. Septembers der Öffentlichkeit mitzuteilen. Dieser kurze Film
zeigt die Aktivisten bei ihrem Vorgehen.

Der Vorsitzende der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, nahm 2006 an der Bilderberg-Konferenz im kanadischen Ottawa teil. Auf der Homepage des Politikers findet man eine Pressemeldung, worin die Teilnahme an dem Treffen des Elitenzirkels bekannt gegeben wird. Außerdem wurde ein Bild veröffentlicht, das Pflüger, wie es heißt, neben „seinem langjährigen Freund“ Henry Kissinger am Rande der Konferenz zeigt.

Das öffentliche Zugeständnis eines Politikers über die Teilnahme an der einmal im Jahr stattfindenden Veranstaltung bereits unmittelbar nach der Konferenz, könnte auf eine strategische Veränderung von Bilderberg bezüglich des Umgangs mit der Öffentlichkeit hindeuten. Noch bis vor einigen Jahren waren Statements von Teilnehmern der Konferenzen sowie aktiven Mitgliedern von Bilderberg kaum zu finden. Und so verhielt es sich auch mit der medialen Berichterstattung. Erst mit dem Internet wurde die Bilderberg-Group in der Öffentlichkeit zunehmend bekannter, da jene Personenkreise, die sich intensiv mit dem Phänomen Bilderberg beschäftigten, ihre Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zukommen lassen konnten. Mittlerweile findet im Internet eine regelrechte Jagd auf den genauen Zeitpunkt der Konferenzen statt und es werden Verabredungen getroffen, um gegen die nicht öffentlichen Treffen vor Ort zu protestieren, bzw. die beobachtbaren Geschehnisse um die Konferenzen zu ‚überwachen’. Erst in den letzten Jahren haben sich aufgrund der ‚Pressearbeit’ der Bilderberg-Gegner auch die Mainstreammedien mit dem Thema befasst (z.B. die Asia Times, CNN, BBC, Münchner Merkur) – wenn auch nur oberflächlich.

Aufgrund einer immer stärker interessierten Öffentlichkeit könnte es nun sein, dass Bilderberg nach über 50-jähriger erfolgreicher Verschleierung der Treffen der wachsenden Kritik durch eine Art Teilöffnung entgegenzutreten versucht. Was aus strategischen Gründen durchaus Sinn macht: Der große Vorwurf der Gegner der Konferenzen, nämlich, dass die Bilderberger eine geheime Weltregierung seien, die die Welt aus dem Verborgenen steuert, würde mit einer zunehmenden Öffnung (zumindest vordergründig) erheblich abgeschwächt werden.

Es könnte aber auch sein, dass Pflüger sich nicht aufgrund einer neuen Bilderberg-Policy öffentlich zu dem Elitenzirkel bekannt hat, sondern dass es sich dabei um eine individuelle Entscheidung gehandelt hat. Dann kann man allerdings auch davon ausgehen, dass die individuelle Entscheidung aus strategischen Gründen getroffen wurde. Sie dürfte ebenfalls mit einem gesteigerten öffentlichen Interesse an den Konferenzen zu tun haben. Wenn dann der Vorwurf der Teilnahme an den Konferenzen erhoben wird, kann der Volksvertreter darauf verweisen, dass er die Teilnahme der Öffentlichkeit mitgeteilt habe und dass an den Konferenzen nichts Unredliches zu finden sei.
Bei beiden Erklärungsmöglichkeiten wird die Strategie deutlich, den Kritikern von Bilderberg durch mehr Öffentlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Doch genau genommen ist das Eingeständnis des CDU-Politikers an der Teilnahme der Konferenzen alles andere als eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Zum einen bleibt die Bilderberg Gruppe ein elitärer Zirkel, der nach wie vor eine kritische Presse bei den Konferenzen nicht duldet, zum anderen wirft das Bekenntnis Pflügers zu Bilderberg ein äußerst zweifelhaftes Licht auf die Frage, wie ernst es Pflüger mit den basisdemokratischen Grundsätze meint, gegenüber denen der Volksvertreter verpflichtet ist. Denn, bei allen offenen Fragen, die es um das Phänomen Bilderberg noch zu klären gibt, so viel ist klar: Die Bilderberg-Gruppe oder genauer: diese Form der Zusammenkünfte von führenden Politikern mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaft usw. ist in ihrem Kern zutiefst undemokratisch. Zwar wurde schon an anderer Stelle darauf verwiesen, dass die Behauptung, dass es sich bei Bilderberg um eine geheime Weltregierung handelt, in dieser Form äußerst unwahrscheinlich ist, doch sind die Probleme, die mit dieser Form der Elitenkommunikation verbunden sind, alles andere als unerheblich. In Elitenzirkel wie Bilderberg kommt es nämlich zu einem verschleierten politischen Formationsprozess und die Konsense, die während dieser Treffen unter den Machteliten erzielt werden, bahnen sich früher oder später in irgendeiner Weise ihren Weg in die für jedermann ersichtliche gesellschaftspolitische Alltagsrealität – nur wissen dann die wenigsten, wie diese Realität zustande kommt. Hinzu kommt, dass die Partizipation einer an Demokratie interessierten Bevölkerung aus diesen elitären politischen Formierungsprozessen vollkommen ausgeschlossen wird (wie heißt es in der Pressemeldung auf der Homepage von Pflügler: „Bilderberg-Konferenzen wurden erst von ca. 2000 Personen besucht“). Zu diesem Sachverhalt hat sich der Volksvertreter bisher aber noch nicht öffentlich geäußert.

Von Interesse ist nun aber die Frage: Warum wurde gerade Pflüger zu dem Treffen eingeladen? Zur Einladungs- und Rekrutierungspraxis der Bilderberger gibt es keinerlei dienliche fundierte Informationen. Nahe liegt jedoch, dass Personen eingeladen werden, die aufgrund ihrer Biographie, ihrer Persönlichkeit und ihren Verbindungen ‚wertvoll’ für die Konferenzen sind. Wie genau eine Einladung von Bilderberg abläuft, davon ist nichts bekannt. Wie kommen die Kontakte zustande? Welche Kriterien gilt es im Einzelnen zu erfüllen? – um nur zwei Fragen anzuführen, die der Volksvertreter auf seiner Homepage leider auch nicht beantwortet.
Dennoch lassen bereits die Informationen, die Pflüger bei seiner Internetpräsenz offenbart, bestimmte Rückschlüsse zu. Es führte an dieser Stelle zu weit, die Korrelation zwischen den vermutlichen Interessen der Machteliten und der politischen Haltung Pflügers zu analysieren. Für den geneigten Leser seien im Folgenden ein paar Statements des Politikers und ein Zitat der Bundeskanzlerin aufgeführt, die sich auf seiner Homepage befinden und die durchaus aufschlussreich sind:

„Das globale Netz des islamistischen Terrors erreicht eine neue Qualität der Bedrohung durch die Verbindung von nichtstaatlicher Gewalt mit Massenvernichtungswaffen. Der Westen kann diese Herausforderung nur bestehen, wenn er seine politische, ökonomische und moralische Stärke wiedererlangt…Auch wenn Europa gegenwärtig ein Bild der Uneinigkeit abgibt, so muß es doch… eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik formulieren und sich auf humanistische Werte berufen. Allerdings muß Europa bereit sein, diese auch zu verteidigen. Nur so kann es sich erfolgreich gegen den Islamismus – die dritte große totalitäre Herausforderung der freien Welt – zur Wehr setzen…“ (Auszug aus einem Buch von Pflüger)

„Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat Europa eine historische Wendemarke erreicht: Die gelungene Einführung des Euro- Bargeldes war für viele ein prägendes Erlebnis. Mit den neuen Scheinen und Münzen in der Tasche fühlen sich viele Bürger wieder ein Stück mehr als Europäer. Es bietet sich heute die Chance, die gemeinsame europäische Zukunft nicht nur zu träumen, sondern sie konkret zu gestalten: Ein europäischer Verfassungsvertrag und die Vereinigung der „alten Welt“ stehen an.“ (Auszug aus einem Buch von Pflügler)

„In meinem Büro hängen drei Portraits: Konrad Adenauer, Willy Brandt – und Helmut Kohl. Er wird dort auch hängen bleiben. Ungeachtet der Ereignisse im deutschen Winter 1999/2000 bleibt er für mich einer der großen Staatsmänner unserer Zeit. Kohls Erbe, die unauflösliche Verbindung von Deutschland und Europa muss unsere Leitschnur bleiben.“

„Die Anschläge in New York und Washington waren auch ein Weckruf für Europa: Die Terroranschläge von Madrid, London, Istanbul und Djerba verdeutlichen: Unsere Seite des Atlantiks ist leider keine „Insel der Glückseligen“, sondern auch wir liegen im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Man kann, darf und muss die USA für einzelne Facetten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus kritisieren – so teile ich explizit die Kritik Angela Merkels an Guantanamo – aber haben wir in Europa wirklich die Dimension der Gefahr erkannt? Oder haben wir schnell wieder auf „Schlummerfunktion“ gestellt und schlafen weiter?“

„Genau der richtige Mann für Berlin. Mit internationalen Kontakten und seinen Fähigkeiten wird Berlin wieder eine politische Größe im Bund.“ Angela Merkel, Bundeskanzlerin (2006)

Anbei noch einige Links zum Thema Bilderberg, die interessante Informationen beinhalten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberger

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/EE22Ak03.html

http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Bilderberg

http://www.prisonplanet.com/archive_bilderberg.html

http://www.bilderberg.org/

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4258/1.html

http://www.fosar-bludorf.com/bilderberger/Liste.htm

http://news.bbc.co.uk/1/hi/magazine/3773019.stm

http://www.counterpunch.org/estulin05272005.html

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-32.htm

http://www.xs4all.nl/~ac/global/achtergrond/bilderberg.htm

Nach einer Meldung der Internetseite Bilderberg.org soll das diesjährige Bilderberg-Treffen zwischen dem 31. Mai und dem 3. Juni in der Türkei stattfinden. Bezogen wird sich dabei auf einen Artikel eines türkischen Journalisten. Das Treffen soll in Istanbul abgehalten werden. In einem Forum von Bilderberg.org zum Thema Bilderberg-Meeting 2007 wurden folgende Hotels als möglicher Ort des Treffens angegeben:

http://istanbul.conradmeetings.com/isthcci/index.shtml
http://resort.klassis.com.tr/en/collection/default.asp
http://golf.klassis.com.tr/en/collection/default.asp

Bei der so genannten Bilderberg Group handelt es sich um einen globalistisch ausgerichteten Elitezirkel bestehend aus hochrangigen Vertretern der unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereiche der westlichen Ländern. Die Bilderberger, wie die Teilnehmer und festen Mitglieder von Bilderberg bezeichnet werden, treffen sich seit 1954 einmal im Jahr hinter verschlossenen Türen. Dabei diskutieren sie zentrale Aspekte aus gesellschaftspolitischen Themengebieten. Das Treffen wird mit dem Label ‚nicht öffentlich’ versehen.

Bud Spencer

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